zum IMPRESSUM

TEXT
ZUM
NACHDENKEN:

Lakota[a]-Weisheiten

 

Wenn ich auf den Hügel steige, um zu BETEN, spreche ich nicht nur zu Wakan-Tanka [b]. Ich versuche sogar, schnell mit dem Reden fertig zu werden. Die meiste Zeit höre ich zu.
Gott [b] zuhören - das ist auch beten.
[...]
Es gibt nur eine Zeit für das Gebet, und die ist jetzt. Es gibt nie eine Zeit für das Gebet als jetzt. [...] Ihr könnt zu keiner anderen Zeit beten als genau jetzt!

~*~

Der Weiße Mann ist in dieses Land gekommen und hat seine ursprünglichen ANWEISUNGEN [c] vergessen. Wir Indianer haben unsere Anweisungen nie vergessen.
Der Grosse Geist [b] hat seine Anweisungen jedem Geschöpf gemäß Seinem Plan für die Welt gegeben. Er hat Seine Anweisungen allen Dingen in der Natur gegeben. Die Kiefer und die Birke, sie befolgen immer noch ihre Anweisungen und tun ihre Pflicht in Gottes Welt. Die Blumen, sogar die kleinste Blume, sie blühen und vergehen gemäß Seinen Anweisungen. Die Vögel, sogar der kleinste Vogel, sie leben und sie fliegen und sie singen gemäß Seinen Anweisungen.
Sollten die Menschen etwa anders sein?

~*~

Der Weiße Mann sagt, unser Lakotavolk sei erst vor ein paar Jahrhunderten zu den Black Hills [d] gekommen. Er irrt sich. Wir sind seit Millionen [e] von Jahren hier. Der Weiße Mann sagt, Gott hat die Welt in sieben Tagen erschaffen. Auch hier irrt er sich. [f] GOTT ERSCHAFFT DIE WELT seit Millionen von Jahren und hat sein Werk noch nicht vollendet.
Er erschafft sie jeden Morgen neu, wenn die Sonne aufgeht. Wenn Er das nicht täte, wäre die Welt -schwuppdiwupp - verschwunden.[g] [...]

~*~

Gott hat DREI KRÄFTE in die Welt gebracht, die wir nutzen können.[h] Wir brauchen sie alle. Wir Indianer kennen alle drei. Wir haben eine Million Jahre benötigt, um sie zu finden.
Es gibt eine materielle Kraft, eine spirituelle Kraft und eine übernatürliche Kraft. Die materielle Kraft ist die Güte dieser Erde. Die spirituelle Kraft ist die Güte der Menschen. Die übernatürliche Kraft ist die Güte Gottes, des Großen Geistes.
Die Drei Kräfte existieren getrennt voneinander. Sie sind nicht miteinander verbunden.
Es ist die Aufgabe der Menschen, die Verbindung herzustellen.
Wir verbinden die Drei Kräfte durch unsere Gebete, durch unsere Zeremonien, durch unsere Taten. Jede gute Tat ist eine Säule der Schöpfung. Jedes Gebet stützt die Welt. [...]

~*~

Mir wurden viele NAMEN gegeben. Jeder erklärt einen Teil von mir. Hinter jedem Namen steht eine Geschichte.[i] Man gibt Kindern besondere Namen, um sie in ihrem Leben zu stärken. [...]

~*~

Die FRIEDENSPFEIFE [k] ist unsere stärkste Waffe. Sie ist unsere heilige Kraft. Sie ist Gottes Kraft. Die Pfeife vermittelt zwischen den Menschen und Gott.
Um die Pfeife zu empfangen, um Gottes Geschenk zu empfangen, muß man ein reines Herz, einen reinen Geist, einen reinen Körper und eine reine Seele haben. Und, vergeßt das nie, nachdem die Gebete gesprochen wurden, muß man dieses Leben leben - ein Leben mit Gott. Das ist der schwerste Teil.

~*~

Jeder Mensch muss seine EIGENE KRAFT finden, denn jeder von uns verfügt über eine gewisse Kraft. Suche in dir selbst nach dieser Kraft,[l] erkenne, wie du einen Zugang zu ihr finden kannst, und nutze diese Kraft dann in Harmonie mit Gott - für Gutes und nicht für Schlechtes.

Noble Red Man
aus «Hüter der Weisheit»

Unsere Anmerkungen

a] Lakota bedeutet "Gemeinschaft von Menschen" oder auch "Verbündete". Die Lakota (franz.: Sioux) leben heute vorwiegend in Reservaten in South Dakota.
b] Wakan-Tanka bedeutet "das große Geheimnis" und wird hier synonym mit Gott oder der Große Geist gebraucht.
c] das innewohnende Gesetz, das im Sinne der Geisteswissenschaft als Idee und daraus als Ideal verstanden werden kann, die dem Urbild entspringen
d] heilige Berge der Lakota in South Dakota, zB. der Bear Butte
e] Wie im Hebräischen oft Tausend gibt Million eine andere Zahlqualität an, die sich hier auf die Dauer (Ewigkeit) im Unterschied zum chronologischen Zeitfluss zu beziehen scheint.
f] Der Vorwurf beruht auf einer naiven Bibelinterpretation, welche die sieben JOMIM (Tage), die aus der einen LAJLA (Nacht) geboren werden, als irdische Abfolge missversteht.
g] vgl. die Vorstellung vom tief versunkenen Brahma, der den Kosmos meditiert und nicht geweckt werden darf, wenn die Welt bestehen soll
h] Wie im alten Ägypten wird hier die Menschheit als Mitte zwischen Unten und Oben in dynamischer Weise vorgestellt.
i] nomen est omen (Name ist Vorzeichen) wurde im römischen Reich gesagt.
k] das Kalumet
l] eine urtümliche, auf die Lebenskräfte zielende Art mit dem gnõthi seautón (~ Erkenne dich selbst) umzugehen

red.16.II.2004
WfGW, 1030 Wien / AT