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Nachdenken:
The Nature of Civilizations Die Natur von Zivilisationen
Human history is the history of civilizations. It is impossible to think of the development of humanity in any other terms. [...] Menschliche Geschichte ist die Geschichte von Zivilisationen. Es ist unmöglich,[a] die Entwicklung der Menschheit anders zu denken. [...]
First, a dinstinction exists between civilization in the singular and civilizations in the plural. The idea of civilization was developed by eighteenth-century French thinkers as the opposite of the concept of "barbarism". Civilized society differed from primitive society because it was settled, urban, and literate. To be civilized was good, to be uncivilized was bad. The concept of civilization provided a standard by which to judge societies, [...] Instead there were many civilizations, each of which was civilized in ist own way. Civilization in the singular, in short, "lost some of its cachet", and a civilization in the plural sense could in fact be quite uncivilized in the singular sense. Erstens gibt es einen Unterschied zwischen Zivilisation in der Einzahl und Zivilisationen in der Mehrzahl. Der Gedanke der Zivilisation ist von französischen Denkern des 18.Jahrhunderts als Gegensatz zur Auffassung von der „Barbarei” entwickelt worden. Eine zivilisierte Gesellschaft wurde von einer primitiven unterschieden, weil sie sesshaft, städtisch und gebildet war. Zivilisiert zu sein war gut, unzivilisiert schlecht. Die Auffassung von der Zivilisation schuf einen Standard, um Gesellschaften zu beurteilen, [...] Allerdings gab es viele Zivilisationen, welche jede auf ihre eigene Weise zivilisiert waren. Kurz, die Zivilisation in der Einzahl „verlor einiges an Gepräge”, und eine Zivilisation im mehrzähligen Sinn konnte tatsächlich recht unzivilisiert im einzähligen Sinn sein.
[...] the idea of civilization in the singular has reappeared in the argument that there is a universal world civilization. [...] [...] der Gedanke von der Zivilisation in der Einzahl ist im Argument wiederaufgetaucht, dass es eine universelle Weltzivilisation gebe. [...]
Second, a civilization is a cultural entity, outside Germany. Nineteenth-century German thinkers drew a sharp distinction between civilization, which involved mechanics, technology, and material factors, and culture, which involved values, ideals, and the higher intellectual artistic, moral qualities of a society. This distinction has persisted in German thought but has not been accepted elsewhere. Some anthropologists have even reversed the relation and conceived of cultures as characteristic of primitive, unchanging, nonurban societies, while more complex, developed, urban, and dynamic societies are civilizations. These efforts to distinguish culture and civilization, however, have not caught on, and, outside Germany, there is overwhelming agreement with Braudel that is "delusory to wish in the German way to separate culture from its foundation civilization." Zweitens ist eine Zivilisation eine kulturelle Einheit, ausserhalb Deutschlands.[b] Deutsche Denker des XIX.Jahrhunderts zogen einen scharfen Trennstrich zwischen Zivilisation, die Maschinenwesen, Technik und materielle Faktoren beinhaltete, und Kultur, die Werte, Ideale und die höheren intellektuellen, künstlerischen, moralischen Eigenschaften einer Gesellschaft beinhaltete. Diese Unterscheidung hat im deutschen Denken fortgedauert, ist jedoch nirgendwo sonst angenommen worden.[c] Manche Anthropologen haben die Beziehung sogar umgedreht und fassten Kulturen charakteristisch auf als primitive, unveränderbare, nichtstädtische Gesellschaften, während komplexere, entwickeltere, städtische und bewegliche Gesellschaften Zivilisationen seien. Wie auch immer, diese Bemühungen, zwischen Kultur und Zivilisation zu unterscheiden, haben keinen Anklang gefunden, und ausserhalb Deutschlands gibt es eine überwältigende [d] Übereinstimmung mit Braudel [e], dass es „trügerisch ist, auf deutsche Art die Kultur von ihrem Fundament Zivilisation trennen zu wollen.”
Civilization and culture both refer to the overall way of life of a people, and a civilization is a culture writ large. [...] Zivilisation und Kultur beziehen sich beide auf den gesamten Lebensstil eines Volkes, und eine Zivilisation ist eine grossgeschriebene Kultur.[f]
Samuel P. Huntington  
aus «The Clash of Civilizations»  
Unsere Anmerkungen
a] für den Verfasser, der damit seine Tendenz preisgibt
b] gemeint ist wohl eher der deutsche Sprachraum
c] eine flotte Behauptung angesichts der Wirkung deutschen Denkens im XIX.Jahrhundert weit über den deutschen Sprachraum hinaus
d] den Verfasser überwältigend, schon damit er sein Konzept vom „Zusammenkrachen der Zivilisationen” nicht durch klar unterscheidbare Begriffe stören lassen muss
e] Fernand Braudel war der bedeutendste Vertreter der Nouvelle Histoire, die sich der Sozialgeschichtsschreibung widmete.
f] Dann freilich wäre die USamerikanische Zivilisation mit ihrem als „Vielfalt” gepriesenen kulturellen Mischmasch eine grossartige Kultur! Dass in derart wuchernden Zivilisationen durchaus kulturelle Nischen gedeihen, ist kein Widerspruch.