Die
zum IMPRESSUM
bietet hier eine poetische Studienhilfe an:
Eamsyne und Earasyn
XIIII
ERSTER AUFTRITT
(Szene: auf einer Wiese im Sonnenuntergang, links ein halb verdorrter, halb spriessender Weissdornbusch, rechts ein grauer Findling in Sitzgrösse, dahinter eine Hütte aus geflochtenen Haselruten)
Von Ihr und Ihm
¯ (mit Stirnreif gebundenen dunklen Haares in knöchellangem kirschblütfarbenem Gewand vor dem Busch stehend, die Arme offen himmelwärts erhoben)
911a} Die Erde träumt von Dir,
weil sie Dich unumwunden liebt.
Im Schlafe formt sich ihr,
was sie im Tanzen ihrer Runden siebt.
Sie ruft Dich an mit vielen Namen
in vieler Stimmen laut und leisem Schwingen;
zuletzt noch lässt „'Allāh” sie rufen und „Jehowah”
nach „Rā;”, „Ahūram”, „Brāhma”,
geschürt vom TAO aus den Fluten - oder Manitou (357)? -,
bevor die Baumfrucht siegen wird.
911b} Die Erde schäumt vor Dir,
weil sie Dir oft verwegen trotzt.
Das Wachen schmiedet ihr,
was sie den Sternen dann entgegenprotzt.
Sie tönt je einen Deiner Namen
in jeder Einzelwelle Dauerschwingen;
zuletzt noch lässt „'Allāh” sie tönen und „Jehowah”
nach „Rā”, „Ahūram”, „Brāhma”,
geführt vom TAO ins Verbluten - oder Manitou? -,
bevor ihr Traum zerfliegen wird.
911c} Auf Erden säum'ICh Dir
die Enden der Behebigkeit.
Mein Schauen löst in ihr,
was sie gebunden aus der Ewigkeit.
Sie singe einen, Deinen Namen
in der Beschwernis endlichem Verschwingen;
zuletzt noch lass „'Allāh” sie singen und „Jehowah”
nach „Rā”, „Ahūram”, „Brāhma”,
berührt vom TAO aus der Glut - so gut wie Manitou -,
bevor der Raum erneut beschwiegen wird.(36)
(Die Sonnenstrahlen erlöschen.)
_ (wiewohl jung, kahlen, markant gerundeten Kopfes in brauner Hose und dunkelroter Jacke, unter welcher ein gelborangenes Wollhemd hervorlugt, einen Haselstecken (90) in der Rechten, erstaunt hinter dem Findling stehend und nun hervortretend)
912} Die Worte hör' ich wohl,
allein mir fehlt die Taube (358),
die fliegend sie verbinden könnte.
Wen sprichst du an?
¯ (ohne die Haltung zu ändern)
913} Ihr kommen Lachen und Weinen zu
bis ins Schwanken verwirrter Gedanken
in Erwiderung Seines Ereignens.
Der wortlaute Sinn führt zu regem Gestalten,
das dem Sein jenes Werden eröffnet
vom Verbacken der Masse zum Zünden des Feuers,
von umtaumelndem Stein über flüssiges Wogen
zu lebendigem reichen Erwachen,
der Erscheinung, aus der nun bewusst sich
das Sein wieder hebt.
(lässt die Arme sinken und lauscht)
_ (nach kurzem Schweigen beharrend)
914} Dies Leben klänge hohl -
was wär es ohne Schraube,
die alles doppelt winden könnte?(359)
Da drin der Plan!
¯ (sich ihm zuwendend)
915} Was aus dem Augenblick zeitlosen Werdens dem Raum zugefallen,
wird, in die Vierfalt gedreht, jeglichem Leben zum Halt.
_ (aufbegehrend)
916} Was redest du für Kohl!
Willst keltern ohne Traube?
Als ob man zeitlos finden könnte
die Lebensbahn!
¯ (geduldig die Arme verschränkend)
917} Wollt' ich der Traube Geschenk aus versteinertem Rebstock gewinnen?
Leben führ' jedwede Bahn, Milchsaft in stetem Geflut!
_ (sich spöttisch verneigend)
918} Gereich dir dies zum Wohl!
Obschon es, wie ich glaube,
gescheit wär', wenn aus Rinden (360) könnte
bestehn dein Kahn.
¯ (mit der Rechten untermalend)
919} Ist nicht die Schöpfung im Nirgendwo nirgendwann plötzlich entstanden?
Wie, wenn die Barke zerflöss', die wir verorten im Jetzt?
_ (wie zum Beweis aufstampfend)
920} Und doch steht meine Sohl'
auf dichtem Stein im Staube.
Ein Stoff, der just verschwinden könnte,
gehört dem Wahn.
¯ (mit den Handflächen zur Erde weisend)
921} Der wäre wesenlos, eine verwehte Erscheinung im Unsinn.
Ist diese aber gewollt, kann sie nicht wesenlos sein.
_ (zweifelnd)
922} Was füllt den leeren Pol,
was will ihn? Wessen Auge
birgt Licht, obgleich's erblinden könnte,
und zündet's an?
¯ (in die Ferne blickend)
923} Najan und Tara (361) sind ein und desselben verweilenden Willens
wesender Ausdruck und Blick, kaum zu durchschauendes Tun.
_ (trotzig)
924} Wär' das der andre Pol?
Ein Wortspiel, das mir tauge,
weil alter Laut noch binden könnte
den Untertan?
Vom forschenden Schauen
¯ (entschlossen vor dem Busch stehend)
925} Frage, wann immer zu fragen Int'resse dich drängt und nicht Neugier.
Wo's dich verändert, verweil'! Hier nur befeuert das Wort.
_ (aufatmend)
926} Solch Auskunft mich erhol',
wenn ich das Wissen sauge
aus allem, was man schinden könnte,
was nicht vertan!
¯ (die Arme im Sprechen langsam bis zur Brust hebend)
927} Nun denn, setz' dich hin und entspann' deine Glieder mit Mass,
indem von den Zehen, den Spitzen der Finger du nimmst
den Weg über Knie und der Ellbogen zartem Gelenk
zu Hüfte und Schultern im Ausgleich von hinten nach vorn,
von unten nach oben wohl nicht, doch von links auch nach rechts,
dass Ruhe du findest in Lende wie Rücken und Bauch
im Abgleich der Nieren, der Leber, des Magens zum Darm,
worüber die Lungen sich regen im Wechsel zum Puls
des Blutes dank wachsamem Schlagen des Herzens - so nimmst
gemach du den leuchtenden Weg bis zur Mitte in dir.
_ (im Sitzen auf dem Findling mit gesenkten Augen murmelnd)
928} ... bis zur Mitte in mir.
¯ (die Arme weiter langsam über den Kopf hebend)
929} Und weiter hinan führt dein Weg eine Enge hindurch
an Röhren vorbei, einer harten, zwei weichen; du steigst
den Strang dann entlang ins in Schichten gebildete Hirn,
die Saiten der Seele, die Tasten des Ichs, Instrument
des Ausdrucks von fühlend wie wollendem, denkendem Tun;
verlierst nicht das Lot im Gegurgel der wässrigen Not,
verhedderst dich nicht im erregten gewundnen Gewirr,
vielmehr gilt dein Streben der Schale, der Kuppe, dem Kulm,
darüber das All, deine ewige Heimat - so steigst
gemach du den strahlenden Weg bis zum Stern über dir.(362)
_ (murmelnd)
930} ... bis zum Stern über mir.
¯ (die Arme offen entgegenstreckend)
931} Und also gefestigt beginne dein Saugen, mein Kind,
im Öffnen erneuerter Sinne zu wirksamer Schau,
darin dir aus dir das Geschaffene dämmert, die Welt
in Leben und Sterben; beständiges Zeugen durch Ihn,
Ihr sphärendurchwärmendes Formen - das findest du hier.
_ (murmelnd)
932} ... das finde ich hier.
¯ (beide Hände langsam zur Schale fügend)
933} Findest Ihr Lächeln in deinem Gedenkraum,
wie es aufblüht aus Seinem Bestreben,
dir und dem deinen die Form zu gestalten
und dem Leben die Fülle der Wärme,
dir und den deinen das All zu erhalten,
euren Seelen das Licht seiner Sterne.
(die Linke senkrecht hebend, die Rechte waagrecht unterm Herzen haltend)
Ahnst du den Vater, so ahne die Mutter;
spür' als Wesen die Beiden wie eines.
Nenne Es nicht bei dir nennbaren Namen,(363)
nimm zum Platzhalten Laute wie fā-mū (364).
_ (murmelnd)
934} ... Laute wie fā-mū.
¯ (mit der Linken nach oben weisend)
935} Schaust eine Ballung gewollter Bewegung,
ein Zusammenziehn loser Bestrebung,
heisses Bemühn um Erscheinung im Leeren,
bis es zündet, die Nebel zu lichten,
um sich zu scharen, zum Ring zu verdichten,
drin auf Bahnen sich Sphärisches kugelt -
Puls zu Materie und diese zu Stoffen -(220)
bis die Körper entstehn und verglühn zu
Steinen, aus denen die Pflanzen und Tiere
mit den Menschen das Kreuz (94) sich erbilden.(362)
_ (murmelnd)
936} ... das Kreuz sich erbilden.
¯ (mit Arme auf Schulterhöhe ausbreitend)
937} Schaust die gelassen sich drehende Scheibe
aus dem Brennpunkt herum horizontwärts;
blaugrünes Schimmern und gelbrote Zöpfe,
worin Eiblasen kreiseln und strudeln,
aufplatzen, schwinden und wieder erstehen;
und gar bald im erneuten Vergehen
zeigen sie atmender Wesen Gebärden,
Offenbarung des Tanzens im Wirbel
ein und derselben erhabnen Entfaltung
im Gespiel zwischen Umfeld und Mitte.(362)
_ (murmelnd)
938} ... zwischen Umfeld und Mitte.
¯ (mit der Rechten nach unten weisend)
939} Schaust von der äussersten Schale der Kugel,
deinem Standort, hinab in die Tiefe
neunfach geschichteten Erdengeschehens,(365)
durch das tote Gestein in das weiche,
drauf durch das dampfend Belebte ins Dichte,
das umhüllend die Sinne benimmt und
sternenwärts drängt, wenn die eigenen Kräfte
nicht mehr reichen, um weiter zu sinken. -
Hebst dich hervor aus dem Wogen der Bilder
und hinein in den blendenden Tag.(362)
_ (murmelnd die Augen hebend)
940} ... den blendenden Tag.
Von mū und fā
¯ (feierlich die Arme vor der Brust kreuzend)
941} Bitte die Weisheit um Wissen zunächst, dann Erkenntnis und suche,
bis Evidenz du erlangst, Gabe verlässlicher Schau.
_ (sich unsicher vom Findling erhebend und auf den Stock stützend)
942} Liegt das in mū verborgen,
wenn der Tag nicht weiter blendet
und der Zweifel Qual gewichen -
Seelensicherheit?
¯ (mit den Händen deutend)
943} Einschlag des Einen benötigt der Vielfalt berauschendes Schwingen,
wenn aus Gefühl sie bedacht weitere Umformung will.
_ (rätselnd)
944} Und das gibt fā am Morgen,
wenn das innre Dunkel endet,
weil das Schwanken ausgeglichen -
Seelenhelligkeit?
¯ (beide Hände langsam aus der Weite zur Sphäre fügend)
945} Wärme zu Licht wie zu Gas, dann zu Klang wie zu Wasser verdichtend,(366)
so breitet aus sich der Wunsch, Festes zu schaffen im Raum.
_ (weiter rätselnd)
946} Wie will es fā besorgen,
dass die Schöpfung weg sich wendet
von den Formen, die verstrichen
in die Ewigkeit?
¯ (die Rechte zur Faust ballend, dann weit öffnend)
947} Was Sie im Spielen genug in verschiedene Kohle gebunden,
löst mit dem Wasserstoff Sie (367) - Schwere zu wandeln ist leicht.
_ (ahnend)
948} So wird durch fā geborgen
und den Himmeln rückgesendet,
was auf Erden hier verblichen -
das die Seligkeit?
¯ (sich leicht hinundher wiegend)
949} Seligkeit lebt im Verbinden und Lösen, im Singen und Schweigen;
Wechsel der Standbeine gleicht Linke und Rechte dir aus.
_ (allmählich begreifend)
950} Von Beiden also borgen
wir, dem Leben zugewendet,
alles, was uns angeglichen?
Das Gerechtigkeit?
¯ (die Arme heiter gelassen hebend)
951} Was du Gerechtigkeit nennst oder Gabenkranz jedem Bedarf nach,
Zwiesprach' ist's zwischen der Macht und aller Liebe Gewalt.
_ (neuerlich zweifelnd)
952} Dass Beide für uns sorgen ...
Wird die Weisheit nicht geschändet,
wenn sich Undank erst geschlichen
in die Heiligkeit?
Vom Bösen und Guten
¯ (die Handflächen zu den Schläfen führend)
953} Schänden wird dir nur im Irdischen möglich,
ob aus Undank, aus blindem Verwildern
oder aus schierem Vergessen der Sterne,
die herein in das Irdische blicken.(181)
(nach oben ausgreifend)
Nicht wird geschändet die silberne (18) Schale
durch Geschosse aus ewiger Nacht;
nicht wird geschändet der goldene (22) Mantel,
dessen Strahlen das Leben erhalten
kraft der Gewalt seines herrlichen Reiches,
wenn er aufsaugt Kometen und Trümmer
längst in den Weiten geborstener Körper,
gleichsam Herolde einstiger Pracht -
dort wird die Hymne der Schönheit gesungen,
jener Anmut jungfräulicher Stärke.
(die Arme vor und zurück um die Hüfte bewegend)
Hier in der Niederung schattiger Flächen,
wo das Lieben zum Hassen verkehrt wird,
hier ist das Schänden und Wüten gebräuchlich,
wird die Sieben verbogen zur Acht.(102)
_ (protestierend)
954} Ist nicht das Böse immer
furchtbar aus dem All gesunken?
Läge Gutes nur im Weben
der Unendlichkeit?
¯ (den Kopf langsam schüttelnd)
955} Nicht aus den Himmeln wird Böses entlassen,
obschon Widerstand anhebt, Verneinung.
Findest es weder im zehrenden Feuer,
noch in Erden, der Luft und dem Wasser;
findest es nicht im Gestein, in den Pflanzen
und in keinerlei fressendem Tier.
Willst du erkennen das Antlitz des Bösen,
musst im Menschen du fahnden nach Schatten,
welche entgrauen dem Licht seiner Freiheit,
zu entscheiden und daraus zu handeln,
Lichtkraft, das Gute zu denken, zu fühlen
und zu wollen im Heute und Hier.
Wird nur bei Raub oder ruchloser Schändung,
bei berechnetem, blutigen Morden
Kenntnis vom Abgrund (43) des Bösen genommen,
so verbleibt dessen Ursprung im Nebel
trüben Entsetzens und hastiger Abwehr (368)
ohne Hoffnung auf Änderung schier.
_ (ergriffen)
956} Seh' ich nicht, vom Gewimmer
hingeschundner Opfer trunken,
höhnisch kaltes Grinsen neben
steter Schändlichkeit?
¯ (mit hintereinandergelegten Händen wägend)
957} Ewig währt keine der menschlichen Taten,
sei gewollt oder ungewollt diese,
auch nicht die Folgen von menschlichem Wirken,
ob für gut oder schlecht sie befunden,
nein, in den Zeitstrom gelegt wird verfallen,
was an Vielfalt entspringt aus der Eins.
(mit der Rechten in die Linke schlagend)
Voll trifft die Wucht eines bösen Geschehens
nur die Gegenwart ringenden Werdens,
stört den berechtigten Lauf der Entfaltung,
wie das gute Geschehen ihn fördert,
zwingt in den Bann der Verstrickung den Täter,
schenkt dem Opfer die Gunst des Befreins -
sinnlos das Töten, doch sinnvoll das Sterben,
paradox sind die Pole verschlungen.(369)
Ständiger Ausgleich von Dunklem und Hellem,
durch lebendigen Wandel befördert,
sorgt für das Fortschreiten aller Geschöpfe,
die da schwimmen zum Ufer des Seins.
_ (hoffnungsvoll)
958} Im Morgengrauenschimmer,
Harren auf der Sonne Funken,
Innehalten im Beleben
der Vergänglichkeit?
¯ (mit geballten Händen untermalend)
959} Zwielicht dem Menschen und seiner Begleitung (98)!
Denn in zwiefachem Ringen erring' er
Freiheit für sich, womit Knoten den Seinen
in den Maschen der irdischen Netze,
Felder bebauend, so Tiere behütend (113)
und vernichtend auch allen zur Kost.
Zwielicht entsteht, wenn im Lichten das Finstre
sich zerspiegelt, Substanzen sich bilden -
Stoff aus Materie dank doppelter Drehung -,
sodass farbige Garben versprühn und
nordwärts wie südwärts gerichtet beleuchten,
was sich darlebt von West oder Ost.
Widerstand stellt sich dem Strömen entgegen.
Sich an Gegengesängen ergötzend,
bildet er zwiefältig um die Erscheinung:
hoch in das Blendende, tief dann ins Blinde.(25)
Wehre der kochenden Selbstüberschätzung
wie der Angst vor dem klammernden Frost!
_ (einlenkend)
960} So liegt es am Geflimmer,
dass dem Menschen ward gewunken,
fort und immer fort zu streben
trotz Erbärmlichkeit?
¯ (mit der Rechten abwehrend)
961} Manches, was Stern so genannt wird, ist Irrlicht,(370)
ein Geflimmer bar jeder Bedeutung.
Wenn unter Menschen gewisse versternen,
dann nicht die, deren Glanz nur geborgt ist -
mögen Erbärmliche andre auch täuschen,
allzu jämmerlich scheint ihr Betrug.
(vor der Brust die Fäuste ballend)
Aber es gibt unter Sternen auch schwarze,
die das Strahlen zurückhalten wollen:
Ihnen ist Licht nur ein Frass für das eigne
in dem Finsteren lauernde Wesen;
alles, was leuchtet, sie schlucken es gierig
und bekommen davon nie genug.
Nenn' sie Titane, Bedrohung der Götter,
heisse Reissende sie und Zersetzer,
kaum wirst du Gnade von ihnen erfahren.
Doch dein eigenes Licht magst du hüten,
brauchst es, um klar deinen Pfad zu erhellen -
wo's erlischt, ist Gefahr im Verzug!
_ (betroffen zu Boden blickend)
962} Zum Schauen kommt es nimmer,
wenn im Abgrund liegt versunken
die Laterne. Bleiben Beben,
Furcht und Einsamkeit?
¯ (die Arme langsam ausbreitend)
963} Nun, da die Sonne der Erde am nächsten
im alljährlichen Umlauf gewesen
und der Bootes gewitzt ein paar Schnuppen
nach der jagenden Bärin geworfen,(371)
lösen sich Furcht sowie Einsamkeit wieder
im Betrieb um das Erdengeheg.
Ist dank Verfinstern auch solches entwichen,
was das irdische Wüten verbreitet,(372)
wird nunmehr dennoch in steigenden Wellen
alles Dasein dank Lichtflut verwandelt,
wenn unter Menschen genügend bereitstehn,
um zu sichern den schwankenden Steg.
(mit den Armen einen Bogen über dem Haupt bildend)
Ja, dieser Steg, der die Welten verbindet -
eine Brücke, die ständig gespannt wird
zwischen dem dumpfen Gerolle der Körper
und den klaren Gezeiten der Sphären,
Bogen, der Menschen entlässt und heranführt,
überwölbt ihren schwankenden Weg.(373)
_ (sich ermannend)
964} Und käme dann der Stimmer
aller Frösche, aller Unken,
aller Sumpfbewohner eben,
säng'ich Lauterkeit!
Von Singenden
¯ (mit beiden Händen wehrend)
965} Singe nicht, wenn zu erschallen der nötige Odem dir mangelt -
summe dein Lied nur so laut, dass auch der Frosch es erlauscht!
_ (aufbegehrend)
966} Der Frosch soll mich hören,
die Ratte, der Käfer?
Der Maulwurf wohl noch und die Schlange,
im Boden der Surm!
¯ (einen Schritt vortretend)
967} Stelle dich nicht über sumpfige, erdige, sandige Wesen!
Was deiner wert, wird bestimmt ganz nach der Art, wie du klingst.
_ (zurückweichend)
968} Wenn Laute beschwören
und wecken die Schläfer,
ist's nicht dank dem Menschengesange,
dem plastischen Sturm?
¯ (innehaltend)
969} Bilden die Menschen im Singen die Luft zu erhabenen Formen,
hebt sie dies zwar übers Tier, stellt sie jedoch auch in Dienst.
_ (ernüchtert)
970} Das Dienende stören
die wohlfeilen Täfer
im Aug' und vorm Kopf; das macht bange
im dreifachen Turm.(201)
¯ (die Arme zur Brust nehmend)
971} Fühle nicht „ich”, wenn du Ton oder Wort gibst,
und brüste dich nicht deiner Stimme,
die dir gegeben, um Sinn zu entfalten
in rhythmisch gestaltetem Schaffen
kehlkopfbefeuerter Ströme und Wirbel
zum Mund hin, zu Zunge und Zahn.
(beide Hände vor dem Bauch ballend)
Wolle nicht dich, wenn du stehst und die Brust leerst,
hinaus in den Luftraum zu schallen;
wenn deine Lippen nun Wellen entsenden
zu denen, die wach sie empfangen,
los lasse jede von ihnen ins Schwingen
auf kunstreich gewiesener Bahn.
(die Hände zu den Schläfen führend)
Denk' nicht, um dich geh's beim Bilden der Laute,
obschon sie durch dein Tun geworden -
wärn die Gesänge nur dir zu verdanken,
so blieben sie unhörbar schweben.
Nein, dieses Singen und Sagen ist Dienen;
der Dienende lenkt seinen Kahn!
_ (nachdenklich)
972} Wen mag dies betören?
Was Himmlisches träf' er
im Nachen auf Wellen, die lange
sich stauen vorm Sturm?
¯ (die Arme in die Luft breitend)
973} Horch auf die Vögel (355), Vernetzer der Welten,
der leichten und mühselig schweren,
künden melodischer beide Bereiche,
ob jene in Dur oder Moll er-
scheinen im Wandel sich wiegenden Schwebens,
das dauernd harmonisch (374) sich dreht.
(mit Händen und Armen untermalend)
Lajlah gebiert alle sechs der Jomim (375) wie
den siebten und lässt sie gewähren.
Fliegen und Klingen dem fünften wir danken,
Beseelen der launischen Lüfte -
ob allem Regen der Mensch sich verwundert,
dem singenden lauscht er und steht.
Nachtigalls Wehlied nach duftender Rose,
der Amsel nach flüchtiger Lilie
rührt auch die Brust jedes wandernden Menschen,
der fern seiner liebwerten Heimat
Fäden entlang über Moorwiesen oder
Gesteinsbrocken todeswärts geht.
_ (leichthin)
974} Den trillernden Chören
durchhauchter Gemächer
sei tapfer geboten die Wange
samt Trichter zum Wurm.
¯ (mit den Armen ausholend)
975} Nicht nenne Wurm, was als Schneckengewinde
das Hören zum Horchen verwirbelt!
Sphärengedrechselte Zwillinge sind es,
dran jeweder Umlauf beteiligt:
(mit der Linken am Ohr, mit der Rechten aufzählend)
lachenden Sternes Geschenk, somit golden,
und silbernen Mondes Gedicht;
donnernden Eisenorchesters (20) Begabung
wie rettenden Quecksilbertropfens (21);
Mitteilung zinnhellen (17) Wandelsternchores
dank farbfrohem Kupferquintett (16) und
solche tiefnächtlicher, bleierner (19) Worte - (306)
Erlauscht du das Lachen im Licht?
(die Arme langsam fallen lassend)
Ohne es wäre nur Ödnis und Leere,
in Taubheit gefangenes Grauen,
denn auch die Farben entspringen dem Lichtstrahl
harmonisch in sieben gebündelt.(83)
Was also wäre die Welt ohne Klingen?
Ein fahles, ein totes Gesicht.
_ (betroffen)
976} Zu welchen gehören
die lautlosen Rächer,
die jagen mit beinerner Zange,
umkreischen den Turm?
¯ (mit beiden Händen wedelnd)
977} Schreckvögel sind sie, verlassne Gedanken,
verwirrende, irrende Ranken,
Bänder ins Hohle, Gespenster, die zanken
und, greifst du nach ihnen, erkranken,
jämmerlich schwinden und bodenlos schwanken.
(die Arme ausbreitend)
Vergiss sie und singe Ihm Dank!
Ihm, der als fā dir im Atem gesonnen,
und Ihr, deren Gunst du gewonnen,
wenn du gewillt, was im Zwielicht gesponnen,
ins Helle zu tragen. Begonnen
wird so, mit Strahlen zu lösen die Tonnen,
die mū traurig trennen vom Sonn.
(einen Schritt zurücktretend)
Schau, wie so zahllos die Sterne euch winken,
ob auf sie euch gehn oder sinken,
rings im Gewölbe beziehungsreich blinken,
als Falken erscheinen, als Finken!
Sag, war's nicht klug, von der Mutter zu trinken,
und weise, zu folgen dem Wink?
_ (verwirrt murmelnd)
978} Hören, beschwören im Stören,
betören, zu Chören gehören,
zu finden Gehör ...
Wieder hernieder ins Mieder,
Gefieder hüllt bieder die Glieder,
bereit für ein Lied.
Rollen, dem Tollen zu zollen,
gequollen auch Pollen zu wollen -
gottweiss, was das soll!
¯ (die Arme verschränkend)
979} Gott wisse, sagst du, und rufst so zum Abschied die beiden in einem.
Gott als ein Wort, in dem göttliches Wechselspiel einfältig waltet?
(mit der Linken zum Zenith, mit der Rechten zum Nadir weisend)
Gott als das Wort, das nicht tätig, nicht leidend begrenzt sich entfaltet,
dennoch den Anfang gebiert.(376) Aber Zielschau gestattet es keinem.
(die Rechte zum Findling hebend)
Mut, trage das, was dich trug,
wie der Hirsch sein Geweih (15) -
spanne die Flügel zum Flug!
_ (mit dem Stock auf den Findling steigend, befreit)
980} Nun flieg'ich weiter, fā,
und seh' darin kein Wagnis, mū,
denn Glück nicht ist zu landen,
zu Euch zu steigen Pech nicht.
Euch zu kennen, lieben nicht vermögen,
das ist Notfall, endlos Fallen
unter unerhörtem Schrei!