signum akadémeias
SCRIPTVM ⁜ XXI
il gioco di Brighida
Das gioco di Brighida oder Steinspiel ist ein meditatives Spiel mit zwölf Kieselsteinen. Der irokeltischen Göttin Brighde mit dem grünen Mantel (1) gewidmet, war es aus einer Notlage heraus entwickelt worden, um dem Bedürfnis eines bedrückten Menschen nach Seelenhygiene (im Sinne von Gleichgewichten) Rechnung zu tragen. In elementarer Schlichtheit wiederholt das Spiel in bestimmten Steinsetzungen kosmisch-irdische Beweggründe (2) und hilft dadurch der Seele, ihre Eigenheilung zu betreiben. Deshalb wird das gioco (3) vorwiegend allein (ich mit mir) gespielt; es kann allerdings auch als Zwiegespräch gestaltet werden.
Die moventi di gioco (Beweggründe des Spiels) sind
moventi di gioco
Die zwölf selbst in der Natur zusammengesuchten und gewaschenen Kieselsteine bewahr'ich in einem Säckchen an einem Ort auf, der nur mir zugänglich ist, denn die hygienische Wirkung des gioco bedingt, dass ich mit meinen Steinen spiele, nicht mit irgendwelchen. Zum Spielen zieh'ich mich aus dem Alltagsleben zurück, richte mir eine quadra (quadratische (4) Spielfläche) ein und wasche mir die Hände.
Zu Spielbeginn schütt'ich die Steinchen auf die quadra und schiebe sie mit der Hilfshand (meist der linken) an deren Rand. Nach kurzer Besinnung nehm'ich mit der Spielhand (meist der rechten) ohne hinzublicken den ersten Kiesel und setze ihn am weitesten von mir auf die Spielfläche; den zweiten setz'ich am nächsten zu mir. Einen nach dem anderen nehme und setz'ich die Steinchen zueinander in Beziehung, bis sie mir die erstrebte composizione (Setzung) ergeben.
Folgende composizioni sind bisher entwickelt worden:
croce (Kreuz) orizzontale (waagrechtes) und verticale (senkrechtes) (5)
cerchio (Kreis) (6)
cerchio yin (Jin-Kreis) und cerchio yang (Jang-Kreis) (7)
serpe (Schlange) (8)
rosa dei venti (Windrose) (9)
buccia di stella (Sternschale) - nascità (Geburt)
stella (Stern) - metamorfosi (Umwandlung)
corda (Schnur)
nave (Schiff) di corda (aus der Schnur)
eternità (Ewigkeit) di corda (aus der Schnur) (10)
presepe (Krippe) (11)
sfera (Sphäre)
albero (Baum) (12)
Beim Spielen kommt es nicht auf eine möglichst vollkommene composizione an, vielmehr richtet sich mein konzentriertes Bemühen auf den cammino (Weg) zu einer Setzung, die meinen Seelenzustand wiedergibt.(13)
ADNOTATIONES
1) Brigid (kelt. brig: Erhabenheit, Macht), Tochter des Dagda (der gute Gott), wurde als Göttin der Schmiede, Dichter und Ärzte (entspricht damit der gallischen Minerva) und Herrin über die magischen Sprüche verehrt; ihr Fest war imbolc, das am 1.Februar gefeiert wurde. In die christliche Hagiographie übernommen, wurde sie mit der heiligen Brigit gleichgesetzt, die mit neunzehn Nonnen das heilige Feuer gehütet haben soll. - Das gioco wurde übrigens zwischen 1998 und 2000 für eine Brigitte am Bodensee entwickelt.
2) vgl. Mbl.14: Anm.4
3) Die italienischen Begriffe mögen an das Wiederaufleuchten des Menschengeistes in der Renaissance erinnern ua. auch des pythagoräischen - siehe zu letzterem M.ANDRIES in »die Drei«, 5/2017; S.30:
„Das Unendliche [το άπειρων/to ápeiron] taucht im Denken der Griechen ferner im Zusammenhang mit der sogenannten Psephoi-Arithmetik der Pythagoreer auf, einer Art Bindeglied zwischen Geometrie und Algebra. Das Griechische »psephoi« [ψηφοί] heißt »Steinchen« und Psephoi-Arithmetik meint ein bestimmtes Legen von Figuren mithilfe von Steinchen, das zu sogenannten figurierten Zahlen, insbesondere zu Dreiecks-, Quadrat- und Rechteckzahlen führt.³⁵ Schon Herodot bezeugt dieses Rechnen mit Steinchen bei den Griechen, außerdem berichtet Aristoteles davon.³⁶ Die Mathematikhistoriker gehen davon aus, dass sich die Griechen der Unbegrenztheit der durch die Psephoi-Arithmetik angeregten Gedankenprozesse bewusst gewesen sind.”
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35 Vgl. Oskar Becker: ›Das mathematische Denken ...‹, S. 40-44 und ders.: ›Größe und Grenze ...‹, S. 75. Moritz Cantor weist darauf hin, dass das Wort »psephizein« [ψηφίζειν], was »mit Steinchen hantieren« heißt, bei den Griechen allmählich allgemein die Bedeutung des Rechnens erhielt. Vgl. Moritz Cantor: ›Vorlesungen über Geschichte der Mathematik, 1. Bd.: Von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1200 n. Chr.‹ (1880), Nachdruck von Nabu Press, o. O., o. J., S. 130.
36 Vgl. Herodot ›Historien‹, II. Buch, 36 und Aristoteles: ›Metaphysik‹, XIV. Buch, 5. Kap., 1092b11-12 sowie ders.: ›Physik‹, Buch III, Kap. 4, 203a10f.
4) Das Quadrat ist die Grundfläche des Würfels (Kubus), der seit Pythagoras als geometrisches Bild der Erde gilt und als solches auch von Platon in den Kanon der nach ihm benannten Körper aufgenommen worden war.
5) erdbetont und himmelsbetont
6) reines Sein
7) kühl-passiv und warm-aktiv (vgl. H.PFROGNER in «Lebendige Tonwelt»; S.75ff)
8) Tierkreis-Wirbelsäule
9) mit den vier empedokleischen Raumqualitäten (W: feucht, N: kalt, O: trocken, S: warm)
10) im Sinne von Dauer
11) M44, der offene Sternhaufen im Sternbild Krebs
12) vgl. MlbB.E: Abs.11} u. »TzN Jän.2007«
13) vgl. mit den Naoi Miannain