zum IMPRESSUM
Merkblatt-
Beilage 39:
I’ve said it before, but it can’t be said enough: Beware of anyone who calls you bad names merely for asking honest questions. Beware of anyone who insists on reframing your sincere curiosity as a character defect. Beware of anyone who questions your motives while ignoring your facts. When someone calls you bad names merely for asking questions, it suggests they know the answer but are terrified to admit it.
Jim Goad
in "Diary of Ann Coulter" am 22.IX.2015 18h38
Und wenn ich Charlie wäre?
Louis Defèche
Ausgerechnet heute, da in Frankreich die größten Demonstrationen stattfinden, die es je gegeben hat, - Demonstrationen für die Meinungsfreiheit -,[a] wie kommt es, dass ich mich nicht frei fühle, meine Meinung zu äußern?
Zunächst wollte ich nicht Charlie sein.[b] Ich habe mich dagegen gewehrt, weil ich das Gefühl hatte: Warum sollte ich Charlie und nicht zum Beispiel die Tausenden Menschen, die in Syrien seit Monaten ermordet, geköpft oder gekreuzigt werden? Wenn es nur Charlie gäbe, würde ich selbstverständlich Charlie sein, aber in der heutigen Situation fällt es mir trotz der Betroffenheit schwer, eine Ausnahme zu machen, ein Privileg zu verleihen. Doch für diesen Artikel will ich Charlie sein: Charlie wollte die Meinungsfreiheit verteidigen und scheute sich nicht vor Blasphemie und Respektlosigkeit.[c] Ich denke deshalb, dass ich Charlie nicht verraten werde, wenn ich meine Gedanken hier rücksichtslos äußere und vielleicht einige Grenzen [d] übertrete.
Warum fühle ich mich heute nicht frei, meine Meinung zu äußern? Weil ich nicht einfach eine Partei ergreifen kann, weil ich nicht nur Charlie verstehen will, sondern auch die, die ihn getötet haben oder töten wollten. Weil es zu schlimm ist. Weil es sich um einen heiligen Krieg [e] handelt und weil ich nicht gegen einen heiligen Krieg mit einem anderen heiligen Krieg kämpfen will. Denn was ist heiliger Krieg? Heiliger Krieg heißt, dass meine Wahrheit über allen anderen steht und dass ich für diese Wahrheit alles machen werde. Es gibt sehr wohl Werte, Wahrheiten, die ich erkannt habe. Diese Wahrheiten sind absolut. Und das ist sicherlich gut so. Aber wenn jeder seine Wahrheiten um jeden Preis durchsetzen will, werden wir diesen Krieg lange nicht beenden können. Für die einen ist das Gesicht des Propheten heilig, für die anderen ist es die Karikaturfreiheit [f].
Und wenn ich mir noch eine frevelhafte Bemerkung erlauben darf, möchte ich daran erinnern, dass der französische Staat letztes Jahr all seine Mittel eingesetzt hat, um die Show eines Komikers [g] zu verbieten, weil er den Holocaust und die Juden karikierte. Hier ist auch etwas heilig, das viele Menschen in den europäischen Ländern nicht profaniert sehen wollen. Es handelt sich hier nicht um die Frage, wer recht hat oder wer böse ist,[h] sondern es geht darum, zu sehen, dass diese Freiheit ein Abstraktum ist, das sich nirgendwo verwirklichen kann, weil jeder etwas anderes für heilig hält. Weil jeder ein heiliges Ideal hat, das sein Leben trägt.
Diese große, schöne, brüderliche, ermutigende Feier, wo Millionen von Menschen sich für die Freiheit und gegen den Terrorismus einsetzen,[i] wird unfruchtbar bleiben, wenn die Attentate keine neue Selbsterkenntnis, keine innere Verwandlung verursachen. Diese innere Verwandlung bedeutet: Wenn ich Charlie bin und wenn wir eine Menschheit sein wollen, dann bin ich auch die Terroristen. Was heißt das? Dass ich erkenne, dass ich heilige Werte in mir trage, dass ich in irgendeiner Weise andere Menschen verletzen kann, sei es psychisch, sei es physisch. Wenn dies nicht eingesehen wird, wird diese Feier, werden diese Demonstrationen nur eine Verstärkung des heute beginnenden Zivilisationskrieges sein.
Ich möchte mir auch erlauben, Charb,[k] den Leiter von ‹Charlie Hebdo›, der am Mittwoch das Leben verloren hat, zu zitieren: «Ich will lieber aufrecht sterben, als auf den Knien zu leben.» Er ist bewusst in diese heilige Konfrontation eingetreten. Einige werden erwidern: Ja, aber er kämpfte nicht mit Maschinengewehren, sondern nur mit Stiften, mit Zeichnungen. Es stimmt: Das macht einen großen Unterschied. Aber es ist, auch hier, eine Frage der Weltauffassung. Und diese Ereignisse zeigen, dass unsere geschätzte Rechtsstaatlichkeit, die das Töten verbietet und die Meinungsfreiheit schützen möchte, diese Tragödie nicht verhindern konnte. Angesichts der drohenden Auseinandersetzung von kompromisslosen Ideologien gelten die bisherigen Verhältnisse nicht mehr. Es sei denn, wir wollen in einer Überwachungsgesellschaft, mit mehr Polizisten, mit mehr Soldaten und Grenzen leben.
Wie sollten denn die neuen Verhältnisse aussehen? Friedrich Schiller hat es schön formuliert, indem er die nächste, noch nicht erreichte Stufe der Zivilisation nicht als ‹frei› bezeichnet, sondern als ‹ästhetisch›. Wenn ich mir meiner Freiheit bewusst geworden bin und mir die gesellschaftlichen Verhältnisse für ihre Verwirklichung geschaffen habe, habe ich erst den halben Weg hinter mir. Dann trage ich eine große Verantwortung als freies Individuum, wenn ich diese abstrakte Freiheit verwirklichen will. Da kann ich mich nicht auf ein Recht stützen, sondern nur auf meine eigene Verantwortung. Sonst werden alle Freiheiten gegeneinanderstoßen, jede mit ihren Heiligtümern - alle gegen alle.
Auf ihrem Verwirklichungsweg muss die Freiheit bewusst in die Welt der Andersheit untertauchen können.[l] Sich frei opfern, um der Menschheit willen. Sie wird im ästhetischen, liebenden Schaffen die Verbindung zwischen Treue zum Ideal und Einbeziehung der Welt immer neu herstellen müssen. Nach der Meinungsfreiheit kommt die Verständigungsnotwendigkeit. Deswegen würde es viel fruchtbarer sein, statt eine Demonstration für die Verteidigung der Meinungsfreiheit eine für die Ermutigung zur Dialogbereitschaft zu organisieren. Eine absolute äußere und innere Dialogbereitschaft, um jeden Preis, auch wo es unmöglich scheint, in der Hoffnung, einen höheren Raum öffnen zu können. Das wäre vielleicht der einzig mögliche heilige Krieg, den ich führen würde, wenn ich Charlie wäre. Denn wenn ich Charlie sein will, muss ich auch kompromisslos alle anderen sein.
in »das Goetheanum« 3·2015; S.5
Terrorismus
Und so kann man sagen, daß diejenigen Menschen, die es in okkultistischer Weise nicht ehrlich meinen mit ihren Mitmenschen, sich nur nicht zu sagen getrauen: Wenn heute die Welt revoltiert, da ist es der Himmel, der revoltiert, das heißt der Himmel, der zurückgehalten wird in den Seelen der Menschen, und der dann nicht in seiner eigenen Gestalt, sondern in seinem Gegenteile zum Vorschein kommt, der in Kampf und Blut zum Vorschein kommt, statt in Imaginationen. Es ist daher gar kein Wunder, wenn jene Menschen, die sich an solchem Zerstörungswerk der sozialen Ordnung beteiligen, eigentlich das Gefühl haben, sie tun etwas Gutes. Denn was spüren sie in sich? Den Himmel spüren sie in sich; er nimmt aber nur karikaturhafte Gestalt an in ihrer Seele. So ernst sind die Wahrheiten, die wir heute einsehen sollen. Zu den Wahrheiten sich zu bekennen, um die es sich heute handelt, das sollte kein Kinderspiel sein, es sollte durchaus von dem allerallergrößten Ernst durchzogen sein. Es wird einem ja im allgemeinen nicht leicht, solche Dinge darzustellen, denn erstens liebt man sie doch nicht, zweitens hängen die Leute an Worten. Und derjenige, der sagt, der Himmel revoltiere in der Menschenseele, der wird selbstverständlich nach den Worten ausgelegt, und man merkt nicht, wie er sich erst bemüht, zu zeigen, daß man da noch etwas wissen muß, wodurch man mit dem Worte «Himmel» etwas anderes noch verbindet als das, was man mit dem Worte Himmel zu verbinden gewohnt ist, gerade so, wie man, wenn sich Herr Müller melden läßt, darunter auch nicht einen Müller, der Korn mahlt, zu verstehen hat. Dieses Emanzipieren von der Sprache ist im einzelnen konkreten Fall durchaus notwendig, wenn wir in dem Sinne, wie es die Gesetze der Menschheitsentwickelung verlangen, jetzt wirklich vorwärtskommen wollen.
Dornach, 11.Sep.1920/SA
aus «GA 199»; S.260f
Trotz aller Kontroverstheorien sind im Westen die tieferen Gründe der intensiven Abneigung vieler Menschen in den islamischen Ländern gegen den westlichen »way of life« unverstanden geblieben. Wie kommt es, dass die amerikanische Regierung [unter G.W.Busch] ihren Einsatz gegen die Terroristen »infinite justice« nennen konnte,[m] um dann von arabischer Seite erfahren zu müssen, dass die »unendliche Gerechtigkeit« nur Allah zusteht, also ein Attribut Gottes ist?
Natürlich gibt es in den islamischen Ländern auch Menschen ohne besondere religiöse Interessen in großer Zahl, nichtpraktizierende Muslime. Beunruhigend ist aber, dass selbst diese Menschen oft eine Abscheu gegenüber der westlichen Lebensweise zeigen. Die vor allem von der amerikanischen Administration herbeigeführte Allianz gegen den Terror ist ein brüchiges Angstbündnis, das jederzeit wieder zerfallen kann und nur mühsam den in der nahöstlichen Bevölkerung überall vorhandenen, sich bis zum Hass steigernden Widerwillen gegen den Westen überdeckt.[n] Belastend ist auch die eigene terroristische Tradition des Westens, die im Osten wohlbekannt ist. Auch die USA, das Ziel der letzten Anschläge [im Jahr 2001], besitzen im eigenen Land ein beachtliches terroristisches Potential.
Für den Westen kommt als besondere Schwierigkeit der Urteilsbildung die erwähnte Paradoxie zwischen Kulturrelativismus und Werteuniversalismus hinzu, die ja in der gegenwärtigen Terrorismus-Diskussion mit enthalten ist. Ist es zulässig, die militärischen Maßnahmen der Gefahrenabwehr so auszudehnen, dass das Ziel nicht mehr allein die Zerschlagung der terroristischen Stützpunkte, sondern der Sturz einer Regierung ist? Die relativistische Auffassung würde zum Beipsiel die religiös motivierte Unterdrückung der Zivilbevölkerung, insbesondere der Frauen, als lokale Ausprägung einer autonomen Kulturdimension beurteilen. Der Universalist müsste hingegen auf unerträgliche, vorsätzliche Verstöße gegen elementare Menschenrechte hinweisen, die ein Einschreiten aufgeklärter Mächte unbedingt erfordern.
Eine anthroposophische Betrachtungsweise wird bemerken, dass die skizzierte Paradoxie Symptom einer Störung in der geistigen Führung des Menschen und der Menschheit [o] ist, insofern die Wirkensbereiche der Volksgeister und der Zeitgeister teilweise kollidieren. Daraus folgt die menschliche Aufgabe, situative Lösungen ohne Verallgemeinerungsanspruch zu finden. Aus verstreuten Bemerkungen einzelner Verantwortlicher ist zu entnehmen, dass diese situative Forderung allmählich auch erkannt wird.
S.122f
Diejenigen extremistischen Kreise [el-Qaida], die den Terrorkrieg gegen Amerika und den gesamten Westen organisiert haben, bilden nicht eine ernsthafte religiöse Gemeinschaft, sondern eine Mördersekte, die an die Assassinen des 12. und 13. Jahrhunderts und an ihren Führer, den Alten vom Berge, erinnern.[p] Geheimdienstermittlungen haben ergeben, dass die späteren Täter [des 11.IX.2001] einer intensiven Schulung in schwer zugänglichen Ausbildungsstätten Vorderasiens unterzogen worden waren, um dann jahrelang in den westlichen Ländern auf einen selbstmörderischen Einsatzbefehl warten zu können (so genannte »sleeper«). Eine solche, den täglichen Einfluss einer fremden Lebensweise überdauernde Schulung muss den Charakter einer mit magischen Mitteln unmittelbarer Willensbeeinflussung wirkenden Initiation haben. Ähnlich wurden die Angehörigen des Assassinenordens durch gezielten Drogengenuss auf ihre mörderischen Einsätze in verschiedenen Ländern vorbereitet.
S.128f
Günter Röschert
aus «Für die Sache Gottes»
Es ist erstaunlich, wie kurz unser historisches Gedächtnis ist. Große Teile der Öffentlichkeit reagieren auf die Anschläge in Paris [b] so, als habe der Terror erst jetzt einen Fuß auf das europäische Festland gesetzt. Dabei ist es noch nicht so lange her, dass auch in Deutschland Menschen im Kugelhagel starben, weil sie für Dinge standen, die ihre Feinde für so widerwärtig hielten, dass sie nur mit dem Tod beantwortet werden konnten. 33 Menschen fielen der RAF zum Opfer, dazu kommen Hunderte Verletzte. Auch der Terror von Rechts hinterließ eine breite Blutspur.
Wir verdanken dem Orientalisten Olivier Roy [q] die Einsicht, dass es sich beim Euro-Dschihad im Kern um eine Jugendrevolte handelt. So wie aus der Studentenbewegung die Baader-Meinhof-Gruppe [r] als Angebot an eine radikalisierte Minderheit hervorging, bietet heute der Salafismus [s] die Antwort für junge Menschen, die sich nach der Aufregung des Krieges sehnen. Der Dschihad ist die neue Revolution, wie Roy sagt. Nur die Helden haben gewechselt: Anstelle von Che Guevara verehrt die revolutionär gestimmte Jugend Osama Bin Laden,[t] kalte Killer mit glutvollen Augen waren beide.
Jan Fleischhauer
in »Spiegel online« vom 21.I.2015 9h30
Was einen Mörder antreibt, ist der Zwang, sich durch diese Tat Lust [u] zu verschaffen. Ganz anders ein Terrortäter - entbrannt im eiskalten Willen, den Tod möglichst vieler Menschen über jede Form von Leben zu stellen. Das ist nicht die Sehnsucht, die den Mörder bewegt. Es ist ein Seelenende ahrimanischer [v] Art. Solange ein Mensch mordet, um sein eigenes Leben stärker zu verspüren, ist er noch vorstellbar in seiner Humanität. Der ahrimansche Akt der Vernichtung hat wahrscheinlich eine luziferische [v] Anfangsphase, in der die Seele sich entflammbar zeigt - bereit zur persönlichen Verbrennung. Das Ich [w], die Autonomie des Selbstbewusstseins, geht ins Feuer der Selbstzerstörung. Die Begeisterung der Todesimpulse wird aktiviert. In dieser Anfangsphase wird alles verbrannt, was Gefühl ist - Hoffnung, Trauer, Wut, Sehnsucht, Liebe, Hass ... Alles lodert auf und brennt nieder, bis der letzte Tropfen Seelenblut ausgegossen [verdampft] ist. Die nackte leere Seelenhülle in einem reinen Glutkern des Willens. Er keimt in der Asche, wird gepflegt von den Gärtnern des Todes. Es ist nicht die Lust zu sterben, die den Amoktäter bewegt. AMOK, umgekehrt gelesen, ergibt KOMA.[x] Er ist jenseits aller Lustkräfte.
Unglaublich rational handelnd, steht kein Gefühl der planvollen Durchführung im Weg. Die Tat läuft ab vor dem inneren Auge - der Täter selbst ist ihr Zuschauer. Er wird jetzt bewegt von einem Außen, das objektiv sein Innen geworden ist. Er ist Welt geworden, doch er fühlt nicht länger - weder sie noch sich. Was uns darin antrifft und wovor wir uns im Grunde mehr fürchten als vor dem Tod, ist ein höllisches Urbild: Auslöschung. Die eigene Entscheidung zur Vernichtung der beiden Seelenkräfte, die uns zu Menschen machen, Mensch sein lassen: Autonomie des Bewusstseins und Mitgefühl der Seele. Tendenzen dazu sind überreich vorhanden - wie oft fühlen wir uns auch im Kleinen der Alltagsvorgänge dazu versucht, in den Augenblicken der Ohnmacht gerade diese beiden Potenziale preiszugeben, zu »opfern«!
[...] Es ist nicht länger metaphysische oder esoterische Weltabgewandtheit, die Wesenskräfte zu benennen und ins Auge zu fassen, die uns offenbar leibhaftig konfrontieren. Es wird nicht genügen, das Offene der Freiheit als gesellschaftliche Ausgehlust und Feierlaune zu beschwören. Wir begegnen Ahriman auf dem Weihnachtsmarkt [von Berlin]. Als Selbstgefühl wird ihm die Liebe zum Leben nicht gewachsen sein. Wir müssen beginnen das zu verstehen, sonst wird uns kein helfender, heilender Geist mehr erreichen.
Ute Hallaschka
in »die Drei« 1/2 2017; S.16
Unsere Anmerkungen
a] Betroffenheitskundgebungen vom Sonntag, den 11.I.2015
b] «Je suis Charlie» war die spontan populäre Reaktion auf das Massaker in der Pariser Redaktion von »Charlie Hebdo« am 7.I.2015.
c] eine schon von Voltaire praktizierte selbstherrliche Form der Ausübung von Meinungsfreiheit
d] Bei jedweder Grenze sollte sich immer die Frage stellen, wer sie kraft welcher Befugnis aufgestellt hat.
e] vgl. MblB.E: Abs.733}-734}
f] nämlich die einer bestimmten Sichtweise
g] Dieudonné M'bala M'bala, der die provozierende Grussgeste «quenelle» in Umlauf gebracht hat - Der irritierend unterschiedliche Umgang des französischen Staats mit diesem untergriffigen Provokateur im Gegensatz zu den gezielt beleidigenden Karikaturen von »Charlie Hebdo« erklärt sich dadurch, dass „Blasphemie” seit der Revolution 1789 vor dem (betont laizistischen) Gesetz als straffrei gilt, während es das Pressegesetz aus dem späten XIX.Jahrhundert unter Strafe stellt, „Diskriminierung, Gewalt oder Hass gegenüber einer Person oder Gruppen wegen deren Herkunft oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe, Nation, Rasse oder Religion anzufachen”.
h] Einteilung, die nach 1945 spätestens seit Ronald Reagan wieder im öffentlichen Diskurs aufgetaucht und ultimativ vorgetragen worden ist
i] sogar Ex-Präsident Sarkozy hat sich auffallend in Szene gesetzt
k] Stéphane Charbonnier
l] „Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.” Rosa Luxemburg 1918 im Aufsatz „Zur russischen Revolution” (ähnlich schon Voltaire lt. E.B.Hall: „Ich lehne ab, was Sie sagen, werde jedoch für Ihr Recht, es zu sagen, bis zum Tode kämpfen.”)
m] "Infinite Justice" wurde nach dem 11.IX.2001 in Anlehnung an "Infinite Reach" geplant, der Pentagon-Operation von 1998, die Luftangriffe auf Trainingslager im Sudan und in Afghanistan durchführte, und am 25.IX. in "Enduring Freedom" umbenannt.
n] Hingegen kam die Ende der 90er-Jahre lancierte Parole vom „Kampf gegen den Terror” Regimen wie denen Russlands, Chinas und später der Türkei gerade recht, um die eigene Opposition zu verfolgen.
o] vgl. R.Steiner: «GA 15»
p] Die Assassinen waren Mitglieder eines schiitischen, ursprünglich persischen Geheimbundes, der sich im letzten Drittel des XI.Jahrhunderts von den Nizaris (Ismailiten) abgespalten hatte. Einer seiner brutalsten Führer war der Südiraker Raschid ed-Din Sinan (1133-1193), der berüchtigte „Alte vom Berge” (scheich el-dschebel). Der Bund machte durch gezielte Morde auf sich aufmerksam und erhielt so einen ansehnlichen Einfluss. Die von ihm entsandten Attentäter waren bereit zu sterben, da sie sich Märtyrer wähnten. 1256 bereiteten die Mongolen dem Treiben ein Ende.
q] Roy ist französicher Politikwissenschaftler.
r] Andreas Baader verkörperte eindrücklich das ahrimanische Prinzip, Ulrike Meinhof mehr das luziferische (vgl Mbl.16).
s] Der Salafismus (von arab. as-salafijjah) wendet sich ideologisch zu den as-salaf (~ Altvorderen) zurück, dh. er interpretiert vom Beginn des XXI.Jahrhunderts aus die geistige Haltung der Begründer des Islam (vgl. MblB.15) im VII.Jahrhundert. Innerhalb des Judentums entspräche dies einer unaufgeklärten Berufung auf den Mosche des XII.Jahrhunderts vor der Zeitenwende, innerhalb des Christentums einer ebensolchen auf Apostel und Kirchenväter des I.-II.Jahrhunderts danach. Zwangsläufig stossen derlei unreflektierte Rückgriffe mehr oder weniger laut mit der aktuellen Wirklichkeit zusammen.
t] Guevara und bin Laden sind in ihrer überzeugt-überzeugenden Unbedingtheit gut vergleichbar. Beide sind ein Beispiel dafür, wie ein Mensch aus ego-erzeugter ideologischer Verblendung tatsächlich glauben kann, zum Herrn über Leben und Tod bestellt zu sein.
u] oder einen Vorteil
v] vgl. Mbl.16
w] vgl. Mbl.5
x] Als Amok (malaiisch amuk ~ tobend wüten) wird ein scheinbar wahlloser, aber den Tod wollender Angriff auf verschiedene Menschen bezeichnet, bei dem die Selbstauslöschung in Kauf genommen oder gar gesucht wird. Demgegenüber ist das Koma (altgriechisch ~ tiefer Schlaf) eine länger andauernde Bewusstlosigkeit.