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Merkblatt-
Beilage 22:
Angst
Hans-Werner Schroeder
Der Eingriff Luzifers zieht das Einwirken Ahrimans in der Menschenseele nach sich.[a] Als Folge des Egoismus ergibt sich eine stark wirkende Kraft im Menschen, die er vorher nicht kannte und die nun wie ein unheimlicher Schatten in ihm auftaucht: die Angst [b].
Angst, Furcht und Sorge sind eine ahrimanische Folge des Egoismus, der Abschnürung von der geistigen Welt.⁹° Solange der Mensch mit der geistigen Welt verbunden blieb, war er von den höheren Wesen getragen, behütet. In dem Moment, wo er sich aus ihr löst und den Einblick in die geistige Welt und damit den Überblick über seinen eigenen Weg verliert, wo sich ihm also die Welt verfinstert, ist Ahriman an seiner Seite - er erregt im Menschen die Furcht als die andere tief wirkende Seelenkraft, die nun endgültig das Tor zur geistigen Welt zuwirft.*
* Wir vermeiden hier die üblich gewordene Unterscheidung von Angst und Furcht, da es uns mehr auf das Grundsätzliche ankommt.
In Angst, Furcht und Sorge tritt die Antipathie in der Seele gesteigert auf; während Luzifer noch stark die Sympathie in den Vordergrund stellt und die Antipathie nur als Kraft der Distanzierung einwirken läßt, stützt sich Ahriman vor allem auf die antipathische Grundkraft der Seele. Angst, Furcht, Sorge ziehen die Seele in sich zusammen und verwehren ihr, sich aktiv und vertrauend der Welt zuzuwenden.
Wir können uns hierbei an die Ausführungen des 2.Kapitels erinnern, in denen wir die luziferischen und ahrimanischen Einseitigkeiten in der Seele gegeneinander gestellt haben. Auf der »ahrimanischen Seite« standen da:
Feigheit - Geiz - Pedanterie - Verkrampfung - Askese - Herzenskälte - Abstraktion - Depression usw.
Die Angstkomponente ist bei einigen dieser Eigenschaften ganz deutlich, z.B. bei Feigheit, Geiz (mit gleichzeitigem Egoismus), Verkrampfung, Depression; bei anderen ist sie mehr verborgen, aber auch da, z.B. als Unfähigkeit, über sich selbst hinauszugehen, in anderen aufzugehen usw. - dies sind Spielarten der Angst; so z.B. bei Pedanterie, Herzenskälte und sogar bei der Abstraktion als geistige Haltung, die natürlich notwendig ist, die aber gerade das Konkrete, das »volle Leben« abwehrt. Sehr deutlich ist in all diesen Seelenkräften auch das starke Überwiegen der antipathischen Note, während bei der gegenüberstehenden Reihe - z.B. in Tollkühnheit, Verschwendung, Leidenschaftlichkeit usw. - die luziferische Steigerung des Selbsterlebens und die sympathische Geste überwiegen.
So zeigen sich in diesen Einseitigkeiten ganz deutlich die Ausprägungen von Selbstsucht (Selbststeigerung) und Angst (Sorge) als Wirkungen der beiden Widersacher in der Seele, wobei auch Durchdringungen beider Kräfte auftreten können. (Geiz zeigt Egoismus und Angst in einem, wobei die Angstgeste, das An-sich-Halten, überwiegt, sonst würde das Geld zur Steigerung der Lust ausgegeben; das An-sich-Halten selbst wird aber zugleich als egoistische Selbststeigerung erlebt; vielen Seelenregungen wohnt eine solche Polarität inne. Der eine Widersacher zieht den anderen nach sich; immer jedoch überwiegt eine Widersacherwirkung).
Jedoch erst unter Berücksichtigung einer weiteren Tatsache wird ganz klar, warum gerade die Angst als die zweite wesentliche Widersacherwirkung in der Seele zu gelten hat und warum wir oben sagen mußten, daß durch das Auftreten der Angst das Tor zur geistigen Welt endgültig zugeworfen wird. Angst ist ja Steigerung des Egoismus mit stärkstem Überwiegen der Antipathie; indem der Mensch dieser Seelenmacht verfällt, verliert er letzten Endes die Möglichkeit, sich der geistigen Welt anzunähern, denn das kann er nur mit Zurückdrängung des Egoismus und mit Sympathie.
Ahriman erzeugt nun im Menschen nicht etwa nur allgemeine Angstgefühle, sondern vor allem Angst vor der geistigen Welt. Der Mensch beginnt zu fürchten, daß er etwas von sich aufgeben, daß er sich ändern müßte, wenn er dem Geistigen gegenüberstehen sollte - und das will er nicht. So vermeidet er, sich der geistigen Welt anzunähern: er hat Angst davor.[c]
Hier liegt für manche Menschen die eigentliche Ursache, sich von einer ernsthaften Beschäftigung mit geistigen Bestrebungen abhalten zu lassen. Diese eigentliche Ursache ist oft völlig verborgen oder von äußerer Betriebsamkeit überdeckt; dabei kann die Angst oft auch mit Aggression gegen alles Geistige, ja mit Haß oder auch mit erklärtem Desinteresse getarnt sein.
[Psychologisches]
Görres [d] sagt, den Gedanken weiter vertiefend: »Der Wille kann das Nichtwollen und Nichtstun als Gut ergreifen ... meist durch aufwendige und aufreibende Ablenkungsaktivität verdeckt. Der zutiefst Träge erscheint vor sich und anderen tätig und eifrig ...« (»Das Böse«, S.48).
Auch in der Angst vor dem Tode steckt etwas von dieser Art Furcht. Auch dem Tode gegenüber hat der Mensch oft Angst, denn er fühlt instinktiv, wie tief die Umwandlung sein wird, die er beim Betreten der geistigen Welt erfahren wird; wieviel er von dem, was er egoistisch festzuhalten strebt, aufzugeben hat.
Die Sündenfall-Erzählung weiß von der Angst, die als Folge des Falls auftreten muß; diese erscheint dort zunächst als Angst vor Gott. Aus Furcht und Scham verstecken sich Adam und Eva vor der Gottheit; auch die Austreibung aus dem Paradies hat damit zu tun: Adam und Eva hätten in ihrer jetzigen Verfassung die unmittelbare göttliche Gegenwart nicht mehr ertragen können.
Manche Psychologen sprechen davon, daß die seelischen Probleme der allermeisten Menschen heute mit tiefreichenden bewußten oder unbewußten Ängsten zusammenhängen, die äußerlich oft gar keine direkte Ursache haben. Sie wirken in der Seele als selbständige, nicht zu bemeisternde Kraft, tief existentiell.⁹¹
»In der Psychologie ist Angst ein qualvolles, gegenstandsloses Gefühl des Bedrohtseins, immer das Dasein im Ganzen betreffend, es durchdringend und beherrschend. Sie kann als ortloses inneres, aber auch als örtlich lokalisiertes Gefühl auftreten (Herzbeklemmung, Kopfangst) und sich, besonders bei psychisch Kranken und Nervösen, zu schweren Störungen des Lebensgrundgefühls wie des personalen Seins überhaupt steigern (Angstneurose). Die Angst ist mit körperlichen Begleiterscheinungen verbunden: Druck-, Erstickungs-, Engegefühl, Stockung des Blutes, Blutandrang zum Herzen usw. Psychische Folgeerscheinungen der Angst sind Trübung des Bewußtseins, Lähmung des Willens, Flucht in sinnlose Handlungen, rücksichtslose Gewaltakte gegen sich und andere.«*
* Artikel »Angst« bei: Johannes Hoffmeister, Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Hamburg 1955, S.43
Gerade die letztgenannten Einzelheiten - »Druck-, Erstickungs-, Engegefühl« usw. - zeigen sehr anschaulich den ahrimanischen Charakter der Sache. Weiter heißt es: »Die Überwindung der Angst ist eines der größten Probleme der praktischen Psychotherapie, da Angstneurosen in den verschiedensten Formen weit verbreitete Erkrankungen des modernen Menschen sind« (S.44).
Görres, dessen abgewogene Grundhaltung und Kompetenz wir hier gerne zu Rate ziehen (ohne Übereinstimmung in allen Einzelheiten), urteilt über dieses Grundproblem folgendermaßen: »Es sind zunächst drei Hindernisse, die der Bewältigung des Bösen entgegenstehen:
Die Furcht, wir würden das Beste im Leben versäumen und unser Glück zerstören, wenn wir vom Bösen lassen. In psychoanalytischer Sprache heißt diese Furcht Verlustangst, Trennungsangst.
Das zweite Hindernis ist das Kleben (Freud und Jung [e] würden sagen: der Libido) am Kontakt mit den ›Dingen‹ und Personen, die wir für unaufgebbare Bedingungen unseres Glücks halten: Genuß, Sex, Geld, Prestige, Macht, Geliebtwerden und Dazugehören. Die Sprache der Tradition nennt diese Wurzel des Bösen: ungeordnete Anhänglichkeit an endliche Werte und an sich selbst. (Es gibt auch geordnete Anhänglichkeit!)
Diese Wurzeln des Bösen können wir in zwei Stichworte zusammenfassen: Verlustangst und Selbstverwöhnung ...«
Wenn wir hier auch besondere Ausprägungen von Angst - als »Verlustangst« - und Egoismus - als »Selbstverwöhnung« - vor uns haben: Wir erkennen unschwer auch hier unsere beiden Grundmotive mit luziferischer und ahrimanischer Tendenz. - Görres fährt dann fort: »Das dritte Hindernis ist der Mangel einer erleuchtenden und kraftspendenden Motivation ...« (a.a.O., S.19f), d.h. einer Motivation zum Guten. [...]
[Verzweiflung]
Es gibt nun noch eine Steigerung der Angst, die in unserer Zeit ebenfalls eine große Rolle spielt: Es ist die Verzweiflung. In dem furchtbaren Zustand, in welchem die Seele nicht »aus noch ein« weiß, gewinnt wirklich Ahriman die Oberhand über den Menschen. Es wird uns später deutlich werden, daß dieser Zustand in der Seele von der ganzen Art unserer materialistisch orientierten Zivilisation hervorgerufen oder zumindest begünstigt wird.
Eine solche Verzweiflung liegt aber letztlich auch jedem Bösen in der Seele zugrunde. So bemerkt Görres: »Das Böse ist Verzweiflung. Es enthält immer eine Resignation, daß man mit dem Guten kein Glück und keinen Staat machen kann; daß es nicht möglich ist, wirklich gut zu sein, und darum gar nicht lohnt, überhaupt damit anzufangen ... das heißt die tiefste Sehnsucht ... traurig als eine Illusion zu verwerfen« (S.52f).
Wir haben hier die Polarität zu der Einseitigkeit vor uns, die wir oben als unbändigen Drang zur Selbststeigerung, zur Gottähnlichkeit charakterisiert haben. Indem der Mensch das Unangemessene, Unerreichbare dieses Dranges erfährt, wird auch diese Erfahrung wieder zu einem Antrieb zum Bösen: Luzifer und Ahriman spielen sich die Bälle zu. Das Gute läge in der Mitte, im ruhigen Streben nach dem Guten, auch wenn es zunächst in unerreichbarer Ferne zu liegen scheint.
[Sorge]
Eine weitere Verwandte der Angst ist die Sorge. Damit meinen wir nicht das berechtigte Vor-sorgen, das Sich-Kümmern um die Notwendigkeiten des kommenden Tages, sondern die zermürbende, fruchtlose Sorge, die unsere Seele vor dem Kommenden in ängstliche Stimmungen versetzt und doch an allem nicht das geringste zu ändern vermag; es sind die sorgenvollen Gedanken, die sich die Zukunft ausmalen, aber nichts zu ihrer Bewältigung beitragen, sondern nur die Seelenkräfte zermürben und schwächen und uns in die Irre führen. Denn meist kommt alles anders, als unsere Sorgen uns fürchten ließen.
Der Mensch gibt in der Sorge seine Seelenkräfte an Illusionen hin. Ähnlich wie bei Begehren und Selbststeigerung Illusionen im Spiel sind - Illusionen luziferischer Herkunft -, so sind die Angstbilder der Sorge Illusionen ahrimanischer Art; wieder sehen wir die beiden Widersacherwirkungen deutlich vor uns.
[...]
[Geistesgeschichtliches]
Es ist sehr bezeichnend, daß in der Geistesgeschichte die Angst als wesentliche Folge des Sündenfalls bis zum 17.Jahrhundert - soweit wir sehen - überhaupt keine Rolle gespielt hat. Zwar wird schon im Johannes-Evangelium mit einem bedeutenden Christuswort zum Beschluß der »Abschiedsreden« auf sie hingewiesen: »In der Welt habt ihr Angst, aber fasset Mut, ich habe die Welt überwunden« (Johannes 16,33). Und auch die Sorge wird als Gegenmacht in der Seele schon im Evangelium genannt (Matthäus 6,25ff; Lukas 21,34: Warnung vor Egoismus im Essen und Trinken und vor der Sorge). Aber erst mit Beginn der Neuzeit tritt die Angst als theologisch-philosophisches Thema auf den Plan des Bewußtseins. Dieser Tatbestand mag mit der Steigerung der ahrimanischen Einwirkungen auf die Menschheit zusammenhängen, die mit dem Heraufkommen der Neuzeit beginnt. Wie wenig aber auch dann noch die Angst als religiöses und geistiges Grundphänomen erkannt wurde, zeigt die Tatsache, daß das Stichwort »Angst« überhaupt erst nach 1950 in unseren philosophischen Wörterbüchern erscheint. So sehr stand das Begehren als Sünde im Vordergrund.
Interessanterweise ist Jakob Böhme [f] wohl der erste, der in hervorgehobener Weise von der Angst spricht. Er sagt, daß »ein jedes Leben sich in der Angst urständet ...« (Von der Menschwerdung Jesu Christi II,4,1). Auf Böhme folgt auch hier Schelling [g]. Jedoch erst Kierkegaard [h] ist es, der mit der Monographie Der Begriff der Angst (1844) das Motiv zur verdienten Bedeutung erhebt und es zum ersten Mal differenziert entwickelt. Fünf Jahre später (1849) geht er in »Die Krankheit zum Tode« noch einen Schritt weiter: Es tritt die Verzweiflung an die Stelle der Angst.
In der neueren Existenzphilosophie kommt das Motiv der Angst dann voll zum Tragen, besonders bei Heidegger [i] (»Sein und Zeit«, §40); dann bei Sartre [k]. Daß nun mit der Entdeckung der Angst - übrigens schon bei Kierkegaard - auch positive Aspekte auftauchen, gehört zu den großen Überraschungen der Gegenwart. Sollte selbst der Fesselung an die ahrimanischen Gewalten noch ein »Gut« abzuringen sein?
90 Rudolf Steiner, Die Geheimwissenschaft im Umriss [Bibl.-Nr.13], a.a.O.: »Dieses [früher vorhandene] vorausschauende Bewußtsein ging verloren, als sich vor die Offenbarung der höheren geistigen Wesenheiten der Schleier der irdischen Wahrnehmungen hinwob und in ihnen die eigentlichen Kräfte der Sonnenwesen sich verbargen. Ungewiß wurde nunmehr die Zukunft. Und damit pflanzte sich der Seele die Möglichkeit des Furchtgefühles ein. Die Furcht ist eine unmittelbare Folge des Irrtums. - Man sieht aber auch, wie mit dem luziferischen Einflusse der Mensch unabhängig wurde von bestimmten Kräften, denen er vorher willenlos hingegeben war. Er konnte nunmehr aus sich heraus Entschlüsse fassen. Die Freiheit ist das Ergebnis dieses Einflusses. Und die Furcht und ähnliche Gefühle sind nur Begleiterscheinungen der Entwicklung des Menschen zur Freiheit.
Geistig angesehen stellt sich das Auftreten der Furcht so, daß innerhalb der Erdenkräfte, unter deren Einfluß der Mensch durch die luziferischen Mächte gelangt war, andere Mächte wirksam waren, die viel früher im Entwickelungslaufe als die luziferischen Unregelmäßigkeit angenommen hatten. Mit den Erdenkräften nahm der Mensch die Einflüsse dieser Mächte in sein Wesen herein. Sie gaben Gefühlen, die ohne sie ganz anders gewirkt hätten, die Eigenschaft der Furcht. Man kann diese Wesenheiten die ahrimanischen nennen ...« (Kapitel »Die Weltentwickelung und der Mensch«).
91 Unter der Überschrift »Die zeitgenössische Literatur ist Angst-Literatur« erschien in »Die Zeit« (Nr.32, 31.Juli 1981) ein Artikel von Fritz J. Raddatz, in dem es heißt: »Wenn also Gedichte oder Prosa oder neuere Stücke begriffen werden dürfen als Geigerzähler, die Vergiftungen anzeigen, als Seismographen, die Verwerfungen annoncieren: dann ist deutlich - signalisiert wird Entfernung, Verwüstung, Eis, Angst ... im Abstand von nur einer Woche tauchte der Begriff auf den ersten Seiten von Frankfurter Allgemeine Zeitung und Die Zeit auf und in den Hauptartikeln von Spiegel und Frankfurter Rundschau ...«
aus «Der Mensch und das Böse»; S.232-240
Angstwesen
Angst: Ich bin auf der einen Seite notwendig zur Selbsterkenntnis. Ich bin wichtig für die Selbsterkenntnis, aber keineswegs nur für die Menschen. Bei der Angst geht es nicht nur um Menschen. Angst ist ein Grundzustand eurer Welt. Angst gehört mehr zum Weltenkörper Erde dazu als zum Menschen. Es können Bäume Angst haben, es können Berge Angst haben, es können Tiere Angst haben, es können Engel Angst haben; insofern ist die Angst nicht an den Menschen gebunden. Der Mensch kann aber nur eine bestimmte Stufe erreichen, wenn er sich einmal grundlegend mit der Angst konfrontiert hat. Der wichtigste Punkt dabei ist, daß das Blicklos-Werden,[l] das Gefangensein in einem Bild, was durch die Angst erzeugt wird, selbständig überwunden wird.
Angst ist das Gefangensein in einem einzigen Bild, ohne Ausweg, ohne einen Lichtstrahl, der hier reinfällt. Angst bedeutet, sich um sich selber zu drehen und da nicht rauszukommen. Das kann etwas Großes und Mächtiges sein, genauso aber auch etwas Kleines und Winziges - aber es ist immer das gleiche Drehmoment oder Phänomen, welches den Blick von der Außenwelt und der Innenwelt abzieht. Dies ist der gefangene, der gebundene Blick, der in sich selbst zurückläuft, der immer nur das gleiche wahrnimmt.
in »Flensburger Heft 110«; S.184f
Angst
Wie Schreck kann auch Auch Angst lähmen, was sich körperlich als Pulserhöhung, Pupillenerweiterung, Händeringen usw. äußert, seelisch als Gefühl der Ausweglosigkeit, Entsetzen. So bedrückend die Angst auch sein mag, wäre Angstlosigkeit dennoch gefährlich.
Es gibt Gelegenheiten, da der Mensch Angstgefühle geradezu sucht. In Vergnügungsparks [m] gewinnt man Lust aus Angst. Sogar Kleinkinder können dosierte Angst genießen.
Warum jemand Angst bekommt, kann einerseits an angeborener oder erworbener Ängstlichkeit (trait-anxiety) liegen, andererseits an einem aktuellen Gefühl der Bedrohung (state-anxiety). Sie kann ebenso eine Fluchtreaktion begleiten wie durch vermeintliche Hoffnungslosigkeit entstehen.
Angst ist sowohl Anlaß als auch Produkt und kann in beiden Fällen zu emotionalen Dauerzuständen (»chronische Panik«) führen bis hin zu einer lebenslangen gesteigerten pessimistischen Erwartungshaltung. Nicht zuletzt deshalb ist das Thema Angst in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten und meistbehandelten Themen der Emotionspsychologie geworden.
nach «dtv-Atlas zur Psychologie - Bd.1»; S.227
Unsere Anmerkungen
a] vgl. Mbl.16
b] ὁ Φόβος (Phóbos ~ Flucht; Furcht) und ὁ Δεϊμος (Deĩmos ~ Schrecken) galten als Söhne und Gefährten des Ἄρης (Áres, Mars), weshalb auch der 1877 entdeckte grössere, kartoffelförmige Marsmond Phobos und der kleinere Deimos genannt wurde.
c] Hier verstört eine besonders tiefsitzende, allgemeine Form der Angst: der Horror vacui, die Angst vor der (Seelen-)Leere.
d] der Psychoanalytiker, -therapeut und Hochschullehrer Albert Görres
e] Sigmund Schlomo Freud, der Begründer der Psychoanalyse, und Carl Gustav Jung, der Begründer der Analytischen Psychologie
f] der philosophierende Mystiker und Schuster Böhme
g] der idealistische Philosoph Friedrich Wilhelm v.Schelling
h] der Existenzphilosoph Sören Aabye Kierkegaard
i] der Seinsphilosoph Martin Heidegger
k] der Existenzialist Jean-Paul Sartre
l] vgl. den Blick der Unterweltsgöttin Ereschkigal
m] oder in Film (Horror, Thriller) und Videospiel