zum IMPRESSUM
Merkblatt-
Beilage 20:
Zusammengepreßt
Wesenzüge von Internet und HDD
Sergej O. Prokofieff
„Die Unter-Natur muß als solche begriffen werden.”
Rudolf Steiner, März 1925
Im aktuellen Prospekt des Rudolf-Steiner-Verlags wird die Veröffentlichung der 350 Bände der Gesamtausgabe Rudolf Steiners¹ in digitalisierter Form angekündigt. Um die Folgen davon richtig einschätzen und vor allem um Wege zu finden, das Geschehene im geistigen Sinne ausgleichen zu können, wie Rudolf Steiner in seinem Aufsatz „Von der Natur zur Unter-Natur”² beschreibt, gibt Sergej Prokofieff die folgenden Ausführungen zu bedenken.³
Das Wesen des Internets läßt sich esoterisch am besten auf Grundlage des Vortrages verstehen, den Rudolf Steiner am 13. Mai 1921 in Dornach gehalten hat.⁴ In diesem Vortrag beschreibt Rudolf Steiner, wie die weitere Entwicklung des heutigen abstrakten Intellekts, der eigentlich nur „automatisch” wirken kann und an sich „bloß schattenhaften Charakter” hat, mit dem man nur das Mineralische als solches und niemals das Lebendige, geschweige denn das Seelische oder Geistige begreifen kann, allmählich eine Art neuen Naturreiches erzeugen wird. Dieses gespenstische Naturreich wird sich zwischen den mineralischen und pflanzlichen bilden und nach der Wiedervereinigung des Mondes mit der Erde [a] im 7. bis 8. Jahrtausend lebendig werden.
Die Imagination vom Spinnennetz
Es ist erschreckend, wie zutreffend in bezug auf die heutige Weltsituation Rudolf Steiner dieses einstige Reich beschrieben hat: „Und aus der Erde wird aufsprießen ein furchtbares Gezücht von Wesenheiten, die in ihrem Charakter zwischen dem Mineralreich und dem Pflanzenreich drinnenstehen als automatenartige Wesen mit einem überreichlichen Verstande, mit einem intensiven Verstande. Mit dieser Bewegung, die über der Erde Platz greifen wird, wird die Erde überzogen werden wie mit einem Netz, einem Gewebe von furchtbaren Spinnen, Spinnen von einer riesigen Weisheit, die aber in ihrer Organisation nicht einmal bis zum Pflanzendasein heraufreichen, furchtbare Spinnen, die sich ineinander verstricken werden, die in ihren äußeren Bewegungen alles das imitieren werden, was die Menschen ausdachten mit dem schattenhaften Intellekt, der sich nicht anregen ließ von demjenigen, was durch eine neue Imagination, was überhaupt durch Geisteswissenschaft kommen soll. All dasjenige, was die Menschen an solchen Gedanken denken, die irreal sind, das wird wesenhaft. Die Erde wird überzogen sein [...] mit furchtbaren mineralischen-pflanzlichen Spinnen, die sehr verständig, aber furchtbar bösartig sich ineinanderspinnen. Und der Mensch [...] wird sein Wesen mit diesen furchtbaren mineralisch-pflanzlichen Spinnengetieren vereinigen müssen.”⁵ Diese Spinnengetiere werden dann ausgesprochen ahrimanischen Charakter haben.[b]
Wenn man heute, in der Zeit der weltweiten Verbindungen durch Computer und Internet, diese prophetischen Worte des Geistesforschers liest, kann man fast bestürzt sein, wie schnell diese Prophezeiung begonnen hat, Wirklichkeit auf der Erde zu werden. Es ist, als ob Rudolf Steiner mit seinem Geistesblick das heutige Internet von jenseits der Schwelle geschaut und ganz genau beschrieben hätte, dabei die Menschen ausdrücklich warnend, dass in nicht allzu ferner Zeit, mit der erneuten Vereinigung von Mond und Erde, dieses ganze Internet-Computergewebe und überhaupt alles das, was mit der Entwicklung des künstlichen Intellekts [c] verbunden ist, plötzlich lebendig werden wird, und der Mensch „wird sein Wesen mit diesen furchtbaren mineralisch-pflanzlichen Spinnengetieren vereinigen müssen”.
Wenn man berücksichtigt, wie viele Menschen, vor allem Jugendliche, schon regelrecht computersüchtig sind und die meiste Zeit am Bildschirm verbringen, ohne genügenden Willen, sich davon zu trennen, dann kann man sich vorstellen, wie unendlich viel größer die Abhängigkeit von diesem spinnenhaften Reich sein wird, wenn in der Zukunft dieses ganze Gewebe lebendig werden wird. Dann wird der Mensch kaum eine Chance haben, sich davon zu trennen. Das erschreckende Bild eines Insektes im Netzgewebe einer großen und gierigen Spinne, das sich vergeblich zu befreien sucht, ergibt eine zutreffende Vorstellung dieser Zukunft der Menschheit. Und es wird eine ganz besondere Aufgabe sein, mit Mitteln der weißen Magie [d] solche Menschen aus ihrer Verbindung mit diesen Wesen zu befreien.
Absichtlich geschaffen
Nun weist Rudolf Steiner in dem erwähnten Vortrag auch darauf hin, dass es in der Menschheit gewisse okkulte Kreise gibt,[e] die von dieser auf die Menschheit zukommenden Gefahr wohl wissen und sie durch absichtliche Geheimhaltung bewusst fördern wollen. „Denn es gibt auch solche [Menschen], welche durchaus die bewussten Verbündeten des Verspinntwerdens des Erdenmenschendaseins sind.”⁶[f]
Nimmt man diese Worte Rudolf Steiners ernst, dann besteht kein Zweifel, dass ebendiese okkulten Kreise, die die oben beschriebenen Geheimnisse kennen und doch die Menschheit gerade in jene unselige Richtung stoßen wollen, für das Internet, als das passendste Vehikel für das Erreichen dieser Zukunft, auch den entsprechenden Namen gefunden haben und wie einen geheimen Code verbreiten ließen: www - world wide web (weltweites Spinnengewebe).[g]
Meines Erachtens gehören diese okkulten Kreise zu denjenigen geheimen Bruderschaften des Englisch sprechenden Westens, über die sowie ihre okkult-politischen Absichten Rudolf Steiner so viel Aufklärendes in seinen Vorträgen während des Ersten Weltkrieges gesagt hat.⁷ Das bedeutet aber nicht, dass diejenigen, die dem Internet diese Benennung gegeben haben, selber zu diesen okkulten Kreisen gehören. Solche Menschen sind meistens mehr oder weniger äußere Figuren, die nur benutzt werden und selber kaum davon wissen. Man fragt sich, ob nicht aus dem gleichen Quell auch einige andere Bezeichnungen in die Welt gekommen sind, wie zum Beispiel eine Hotel-Kette in Deutschland mit dem Namen „Sorat”(das größte Hotel derselben befindet sich im Zentrum Berlins) oder weltweit verbreitete Satelliten-Antennen, auf deren Tellermitte mit großen roten Buchstaben der Name „SatAn” geschrieben steht; oder in neuesten Computersystemen trifft man immer öfter dämonische Bilder und Worte: zum Beispiel bei dem Internetbrowser „Mozilla” den Kopf eines roten Drachen⁸ und anderes mehr.
Am Schluss des zitierten Vortrages sagt Rudolf Steiner noch, als ob er die später kommenden Einwände einiger Anthroposophen gegen diesen Tatbestand voraussähe: „Die Menschen möchten die Augen verschließen vor diesen Dingen, möchten sagen: Nun, die Dinge haben doch nicht diese Bedeutung. Aber die Zeichen sind eben durchaus da, und die Zeichen sollten von den Menschen verstanden werden.”⁹ Und zu solchen Zeichen, die heute klar gesehen und unbedingt verstanden werden müssen, vor allem von den Anthroposophen, gehört noch das Folgende:
Die Zahl des Tieres
Nach der okkulten Lehre der Kabbala haben alle hebräischen Buchstaben ihre Zahlenentsprechungen.[h] Rudolf Steiner hat dies ausführlich im 11.Vortrag seines Apokalypse-Zyklus dargestellt, wo es um die Entzifferung des Namens des Sonnendämons -„Sorat”- geht.¹° Bei dieser Gelegenheit weist Rudolf Steiner darauf hin, dass das Zahlenäquivalent des Buchstabens W (auf hebräisch Waw) 6 ist. Daraus ergibt sich, dass die okkulte Bedeutung von „www”- „666” ist,[i] der Name des Tieres aus dem Abgrund, von dem in der Apokalypse geheimnisvoll gesagt wird: „Hier ist Weisheit. Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist sechshundertsechs- In Châtillon/Seine  2006 by DMGG
undsechzig.”¹¹ Der Hinweis auf eines „Menschen Zahl” heißt hier, dass das Tier, das keine menschliche Natur besitzt, etwas, was vom Menschen selber kommt, für seine Angriffe gegen die Menschheit benutzen wird. Dazu gehören heute meines Erachtens auch das Internet und überhaupt alles, was mit künstlicher Intelligenz verbunden ist.[k]
Daraus folgt, dass die Absichten der erwähnten okkulten Kreise sich nicht bloß auf das geistige Verspinnen der Menschheit beziehen, sondern darauf, dass das ganze Unterfangen schlussendlich in den Dienst von „Sorat” gestellt wird. Da aber letzterer vor allem der Gegner des Ich-Prinzips in der Menschheit ist, muss das Verspinnen der Menschheit in die lebendig gewordene künstliche Intelligenz zum allmählichen Ich-Verlust führen.[l]
Binden an die Unternatur
Dass die ganze heutige Digital-Industrie genau in diese Richtung gesteuert wird, ist aus dem Folgenden klar zu ersehen. Zurzeit werden solche Chips als Grundlage des Computers produziert, in denen vor allem Elektrizität als Informationsträger beziehungsweise Aufbewahrer (Speicher) benutzt wird. Jedoch steht die nächste Generation von Chips schon vor der Tür, in denen nicht allein Elektrizität, sondern auch Licht als Informationsträger verwendet wird. Dadurch wird ein Chip von gleicher Größe tausendfach mehr Informationseinheiten beinhalten können. Dies ist aber nicht der Höhepunkt der diesbezüglichen Entwicklung, denn es gibt im Westen große Firmen, die schon jetzt Experimente durchführen, in denen die Chips der Zukunft nicht mehr Licht, sondern mikrobiologische Elemente als Informationsträger benutzen werden. Diese neuen „biologischen Chips” werden nochmals tausendfach mehr Informationseinheiten in sich haben als die „Licht-Chips”. Dabei werden aufgrund der Durchdringung der Bio-Chips mit Elektrizität diese von Anfang an fest an die Unternatur gebunden. So geht die ganze Entwicklung unmissverständlich in die Richtung der oben angeführten Imagination Rudolf Steiners über das die Erde umspannende und später belebte Spinnengewebe.
Elektronisch zusammengepresst
Etwas Ähnliches, obwohl in anderer Form, geschieht mit der CD, DVD oder mit dem externen Speicherlaufwerk (HDD).[m] Um zu verstehen, worum es hier eigentlich geht, muss man berücksichtigen, dass, als die früher von Michael [n] verwaltete kosmische Intelligenz von der Sonne auf die Erde kam und dort menschliche Intelligenz wurde,¹² sie durch einen gewaltigen Prozeß der Zusammenziehung oder Verengung ging. Diese Intelligenz wird, soweit sie im Menschen nicht von Ahriman ergriffen wird, erst nach dem Tode des Menschen bei der Ausweitung seines Ätherleibes im Kosmos auf „natürliche Weise” frei, das heißt bei dem Prozess, der ihrem Zusammenschrumpfen entgegengesetzt, polar ist. Nur das Betreten des modernen Schulungsweges, der die Entwicklung des lebendigen Denkens als seinen Ausgangspunkt hat, kann diese Ausweitung in die geistige Welt hinein schon während des Erdenlebens bewirken und damit eine neue, bewusste Verbindung des Menschen mit dem Kosmos und dort mit Michael selbst gewährleisten.
Dagegen wirken vor allem nach 1998 (3 x 666) die dem Sorat dienenden ahrimanischen Mächte.¹³ Denn Ahriman möchte - die Kräfte der Unternatur dazu benutzend - die michaelische Intelligenz mit der von ihm geschaffenen künstlichen Intelligenz durchdringen, die unter anderem in der Digitalisierung des Gedankenwesens besteht. Für ihn ist das einer der Wege, wie er die irdisch gewordene Intelligenz in seine Macht bekommen will. Anfänglich ist dies schon durch die Fixierung der menschlichen Gedanken mittels der Druckkunst geschehen und wird durch ihre Digitalisierung jetzt weitergetrieben. „Denn was will Ahriman gegenüber dem Michael durch die Druckkunst? Er will - Sie sehen es heute überall aufsprießen - die Eroberung der Intelligenz, jene Eroberung der Intelligenz, welche überall dort besonders eingreifen will, wo die Verhältnisse dazu günstig sind.”¹⁴ Und solche günstigen Verhältnisse findet Ahriman heute vor allem in der Welt der Computer- und Digitalindustrie.
Anthroposophische Inhalte
So kann man den Prozeß der „Zusammenpressung” der anthroposophischen Inhalte im ahrimanischen Sinne hier beinahe mit Händen greifen. Die Gesamtausgabe umfasst heute fast 350 Bände; auf einer gewöhnlichen CD-ROM [m] digital erfasst, braucht man dafür noch mehrere Disks. Durch die neueste DVD-Technologie kann man jedoch alle 350 Bände auf nur zwei bis drei Disks zusammenpressen. Und auf einer HDD bleibt neben alle Bänden auch noch genug Platz für den künstlerischen Nachlass. Wenn man etwas Gefühl für die spirituelle Seite der Sache hat, kann man durch bloßes Nachdenken darüber fast einen physischen Schmerz empfinden.
Gleichzeitig wird diese unglaubliche Fixierung und Zusammenpressung der geistigen Inhalte im Gegensatz zur Druckkunst - die, wenn auch schon ahrimanisch geprägt, doch durch die Art, wie sie ursprünglich erfunden wurde, bis zu einem gewissen Grad über die mechanischen Vorgänge mit der Naturwelt noch verbunden bleibt -, dadurch erreicht, dass bei der CD-, DVD- und Computer-Industrie alles noch tiefer in die Unternatur hineingezogen wird. Dort aber besitzen die ahrimanischen Mächte eine außerordentliche Gewalt, womit sie in nächster Zukunft noch viel größere technische „Wunder” hervorbringen werden als dies bis jetzt der Fall ist.
Man darf dabei nicht der Illusion verfallen, man könne in gleicher Weise das Internet oder die CD/DVD „adeln”, wie Rudolf Steiner dies für die Druckkunst andeutet. Denn im Reiche der Unternatur sind die Hindernisse ungemein größer. Einer der Gründe dafür ist, dass die Hauptbedingung, die Rudolf Steiner für die Adelung der Druckkunst angibt, in diesem Falle viel schwieriger zu erfüllen ist: „Wir müssen durch heilige Gesinnung gegenüber dem, was da in der Michael-Weisheit lebt, die Druckkunst adeln!”¹⁵ Demgegenüber bringen Internet, DVD oder HDD alles auf die Ebene der bloß abstrakten Information, die außerdem noch völlig zerstückelt wird (es taucht hier sogleich das Bild des durch Typhon zerstückelten Osiris auf) und die somit auf eine Weise in der Menschheit Verbreitung findet, der gegenüber von vornherein so gut wie keine „heilige Gesinnung” möglich ist.[p]
„Irrwahn der Zweizahl”
Schaut man vor diesem Hintergrund auf das Wesen des Computers selbst, das heißt auf die Art, wie in ihm Information bearbeitet und gespeichert wird, dann findet man, dass dort alles auf eine Dualität aufgebaut ist, die dann rein quantitativ durch Wiederholung und verschiedene Kombinationen endlos vermehrt werden kann. Dieses Grundprinzip, das heute weltweit die Grundlage des Computerwesens bildet, bezeichnete Rudolf Steiner als „Irrwahn der Zweizahl”.¹⁶ Damit ist auch diejenige Kraft in der Menschheitsentwicklung direkt verbunden, die in unserer Zeit am stärksten gegen den Michael-Impuls kämpft, der immer nur der Zahl „Drei” verbunden ist. „Es ist ja eingezogen in dieses neuere Bewusstsein der Menschheit der Irrwahn der Zweizahl, und es ist hintangehalten worden die Wahrheit von der Dreizahl.”¹⁷ Und daraufhin beschreibt Rudolf Steiner weiter, wie alles, was aus Michael-Inspirationen kommt, immer dreifach ist:[q] Sei es die Dreigliederung des sozialen Organismus, die Dreiheit der Gestalten in der Skulpturgruppe Rudolf Steiners, die Gliederung der Grundsteinmeditation und noch vieles mehr.
Hier hat die Anthroposophische Gesellschaft und vor allem die Hochschule eine ganz besondere Aufgabe: dem ahrimanischen Prinzip der Zweiheit, das vor allem durch das Computerwesen weltweite Verbreitung gefunden hat, das michaelische Prinzip der Dreiheit als wichtigstes Bauelement einer zukünftigen spirituellen Kultur bewusst entgegenzustellen und auf allen Gebieten des menschlichen Lebens und Tuns zu verwirklichen.
Die Inkarnation Ahrimans
Über die Zweiheit sagt Rudolf Steiner noch in dem selben Vortrag: „Das alles, was in diesem Irrwahn [der Zweizahl] wirkt, das ist im Grunde genommen Schöpfung der ahrimanischen Einflüsse, jener Einflüsse, die sich einstmals konzentrieren werden in der Inkarnation des Ahriman, von der ich Ihnen schon gesprochen habe.”¹⁸ Daraus folgt, dass die ganze Computer- und Internet-Industrie heute das wirksamste Mittel ist, um die bevorstehende Inkarnation Ahrimans vorzubereiten beziehungsweise seine irdische Tätigkeit unter für ihn möglichst günstigen Bedingungen verlaufen zu lassen. Denn das sich durch das Internet um die Erde herum bildende Netz der ahrimanischen Spinnenwesens wird von Anfang an in einer direkten Verwandtschaft stehen zu dem im physischen Leibe erscheinenden Ahriman, ihm besonders erfolgreich dienen und ihm ausgesprochen günstige Wirkensmöglichkeiten bieten.
Schon heute findet man die gemeinsten und verleumderischsten Angriffe auf Rudolf Steiner, die Anthroposophie, auf Waldorfschulen und andere anthroposophische Einrichtungen und Tochterbewegungen im Internet. Und diese weltweite Wirkung ist mit der früheren, mittels der Druckkunst, nicht zu vergleichen. Es besteht kein Zweifel, dass dies in nächster Zukunft noch viel stärker werden wird, vor allem mit dem Erscheinen der Gesamtausgabe im Internet und auf DVD, da dann alle vermeintlich „angreifbaren Stellen” in der Gesamtausgabe ohne jegliche Mühe unmittelbar und rasch zugänglich sein werden.
Das Umgehen mit dem Computer
Das Gesagte bedeutet jedoch nicht, dass man deshalb den Computer oder das Internet nicht benutzen solle. Sie gehören zu unserer gegenwärtigen Zivilisation und zugleich zu den größten ahrimanischen Versuchungen, die heute auf die Menschheit zukommen und in der Zukunft noch mehr zukommen werden. Entscheidend jedoch ist, wie bei vielen ähnlichen Problemen, vor die uns die heutige Zivilisation stellt, ob der Mensch den Computer und das Internet beherrscht oder diese den Menschen. Letzteres geschieht um so leichter, insofern der Mensch dazu neigt, das von Rudolf Steiner Mitgeteilte nicht ernst genug zu nehmen oder sogar zu ignorieren, und infolgedessen selber nicht mehr bemerkt, was er auf diesem Gebiet in Wirklichkeit tut. Wenn er seine Autonomie über die Computerwelt behalten möchte, so muß er ganz genau unterscheiden, was hier als rein technische Hilfe für seine Arbeit objektiv nötig ist und wo er eine Grenze überschreitet, hinter der, zunächst unmerklich, die ahrimanisch Verführung überhandzunehmen anfängt. In letzterem Falle beginnt der Mensch zunehmend, ohne sich dessen bewusst zu werden, ein Instrument für ihm fremde Zwecke zu sein, so dass er allmählich selber in die Unternatur „mitgleitet”.¹⁹
Lesen im Astrallicht
Im Vortrag vom 13. Januar 1924²° hat Rudolf Steiner die wichtigsten antimichaelischen Impulse der Gegenwart aufgezählt: alles, was mit der Vererbung verbunden ist, alle Formen des Nationalismus, das mechanische Denken in bloßen Worten und schließlich den Umgang mit der Schrift. Vor allem das Letztere kann besonders effektiv verhindern, dass der Mensch zum Lesen im Astrallicht aufsteigt und dadurch in die Nähe von Michael kommt. Deshalb erwähnt Rudolf Steiner an dieser Stelle, dass in der Umgebung von gewissen Rosenkreuzerschulen das Schreiben den Kindern erst nach dem 14./15. Lebensjahr beigebracht wurde, um damit ihre höheren geistigen Fähigkeiten nicht zu verderben. Aus dem gleichen Grund lehrt man in der Waldorfschule die Buchstaben zuerst zu malen und dann erst zu schreiben.
Die Druckkunst ist mit ihrer antimichaelischen Tendenz unmittelbar von der gegen Michael wirkenden unterirdischen „ahrimanischen Gegenschule” inspiriert: „Man muß in der Druckkunst zwar eine geistige Macht sehen, aber eben die geistige Macht, die von Ahriman dem Michael entgegengestellt worden ist.”²¹ Man wird sehr bald bemerken, dass diese ahrimanisierende Tendenz in den modernen, digitalisierten Formen der Druckkunst ihre Fortsetzung findet und sogar eine gewisse Kulmination erreicht, um noch viel effektiver ihr Ziel zu erreichen: den Menschen heute von der Fähigkeit, im Astrallicht lesen zu können und auf diese Weise Michael in der geistigen Welt zu begegnen, abzuschneiden.
Die neuen Imaginationen
Dass das Internet der michaelischen Sphäre in der geistigen Welt nicht nur polar entgegengesetzt ist, sondern ihr ahrimanisches Gegenbild darstellt, geht daraus hervor, wie Rudolf Steiner das Wesen der kosmischen Intelligenz beschreibt: „Intelligenz sind die gegenseitigen Verhaltensmaßregeln der höheren Hierarchien. Was die tun, wie sie sich zueinander verhalten, wie sie zueinander sind, das ist kosmische Intelligenz.”²² Eine ähnliche Funktion, aber jetzt unter den Menschen auf der Erde, beansprucht heute das Internet in zunehmendem Maße. In rein ahrimanischer Form wird hier versucht ein weltweites Netz zu schaffen, das möglichst viele Menschen miteinander verbindet, aber auf eine Art, dass dadurch die ganze Menschheit vom Kosmos und den Hierarchien mehr und mehr abgeschnitten und an das gekettet wird, was oben als ahrimanisches Spinnennetz beschrieben wurde.
Die michaelische Intelligenz ist aus der geistigen Welt auf die Erde gekommen, um dem Menschen das Erlangen der Freiheit in der Erkenntnis zu ermöglichen. Dagegen führt die eingangs erwähnte Computersucht in die genau entgegengesetzte Richtung.
Durch die fortschreitende Abtrennung des Menschen von der wahren geistigen Welt wird „der menschliche Intellekt immer schattenhafter und schattenhafter”.²³ Vor allem mit der weltweiten Einführung des Computerwesens wird dieser Prozess ungemein beschleunigt. Um dem entgegenzuwirken, muss man in die heutigen „schattenhaften Verstandesbegriffe” und in die heutigen „schattenhaften intellektuellen Vorstellungen” die „neuen Imaginationen” der Geisteswissenschaft aufnehmen.²⁴ Beim Einpressen ihrer Inhalte auf DVD oder HDD dagegen geschieht gerade das Gegenteil. Die lebendigen Imaginationen der Anthroposophie werden als rein intellektuelle „Informationen” in das Weltspinnennetz wie in ein okkultes Gefängnis gesperrt.
[...]
Gefahren und Aufgaben
In einem privaten Gespräch hat Rudolf Steiner einmal auf die größte künftige Gefahr für die Anthroposophie hingewiesen:²⁵ ihre zunehmende Intellektualisierung, wodurch sie Ahriman, dem Herrn des Todes, übergeben wird. Die Herausgabe des ganzen Werkes Rudolf Steiners im Internet und auf HDD bringt die erhöhte Gefahr mit sich, dass damit ein weiterer Vorschub zur Intellektualisierung und Zerstückelung der Anthroposophie geleistet wird.
Diesem Geschehen muss man jetzt verstärkt eine bewusste Intensivierung der esoterischen Arbeit innerhalb der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft [r] entgegenstellen sowie eine sorgfältige und jede Intellektualisierung vermeidende Studienarbeit an den Texten Rudolf Steiners. Er selbst hat von allen seinen Schülern einen solchen Umgang mit seinem Werk erwartet: nicht mit dem abstrakten und immer schattenhafter werdenden Intellekt, sondern mit den „Herzen”,[s] die im michaelischen Sinne „beginnen Gedanken zu haben”²⁶ und damit zu den wahren Imaginationen aufzusteigen vermögen.
Nur dadurch wird im Menschen selbst ein Ort entstehen, wo das anthroposophische Weisheitsgut vor Sorat und den ihm dienenden ahrimanischen Mächten geschützt wird, um weiter in der Menschheit leben zu können. Solche Pflege der Anthroposophie kann eine primäre Aufgabe aller Gruppen der Anthroposophischen Gesellschaft [r] sein.
1 Dem Beschluß der Mitgliederversammlung der Nachlaßverwaltung zufolge wird die Gesamtausgabe Rudolf Steiners mit allen esoterischen Inhalten auf einer HDD (Hard Disk Drive) gespeichert auf dem Markt erscheinen: die frühen esoterischen Stunden, die Klassentexte, die Rituale der Waldorfschule und der Christengemeinschaft (GA 264 bis 270 und GA 342 bis 346). Auf der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt/M. wurden schon die ersten solcher HDDs präsentiert.
2 Rudolf Steiner: Anthroposophische Leitsätze (GA 26), Aufsatz vom 12.April 1925, Dornach 1989.
3 Dieser Aufsatz wurde bereits im November 2003 geschrieben und erscheint hier in gekürzter und bearbeiteter Form.
4 Rudolf Steiner: Perspektiven der Menschheitsentwickelung. Der materialistische Erkenntnisimpuls und die Aufgabe der Anthroposophie (GA 204), Dornach 1979, s.S.237ff.
5 A.a.O., S.244f.
6 A.a.O., S.245.
7 Siehe unter anderem Rudolf Steiner: Zeitgeschichtliche Betrachtungen. Das Karma der Unwahrhaftigkeit - Erster Teil (GA 173), Dornach 1978.
8 Siehe Die Bibel, Neues Testament, die Offenbarung des Johannes, Kapitel 12,3.
9 Rudolf Steiner: Perspektiven der Menschheitsentwickelung. Der materialistische Erkenntnisimpuls und die Aufgabe der Anthroposophie (GA 204), Dornach 1979, S.253.
10 Rudolf Steiner: Die Apokalypse des Johannes (GA 104), Vortrag vom 29.Juni 1908, Dornach 1985.
11 Die Bibel, Neues Testament, die Offenbarung des Johannes, Kapitel 13,18.
12 Siehe Rudolf Steiner: Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge (GA 240), Band 6, Vortrag vom 19.Juli 1924, Dornach 1992.
13 Über die besondere Beziehung Sorats zu den ahrimanischen Geistern siehe Rudolf Steiner: Die Polarität von Dauer und Entwicklung im Menschenleben. Die kosmische Vorgeschichte der Menschheit (GA 184), Band 6, Vorträge vom 11. bis 13. Oktober 1918, Dornach 2002, S.257ff.
14 Siehe Anm.12, S.193.
15 Siehe Anm.12, S.193.
16 Rudolf Steiner: Die Sendung Michaels. Die Offenbarung der eigentlichen Geheimnisse des Menschenwesens (GA 194), Vortrag vom 21.November 1919, Dornach 1994, S.22.
17 A.a.O., S.22.
18 A.a.O., S.22.
19 Rudolf Steiner: Anthroposophische Leitsätze (GA 26), „Von der Natur zur Unter-Natur”, Dornach 1989, S.258.
20 Rudolf Steiner: Mysterienstätten des Mittelalters. Rosenkreuzertum und modernes Einweihungsprinzip (GA 233a), Dornach 1991, S.83ff.
21 Rudolf Steiner: Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge (GA 240), Band 6, Dornach 1992, S.192.
22 Rudolf Steiner: Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge (GA 237), Band 3, Vortrag vom 8.August 1924,Dornach 1991, S.168.
23 Rudolf Steiner: Perspektiven der Menschheitsentwickelung. Der materialistische Erkenntnisimpuls und die Aufgabe der Anthroposophie (GA 204), Dornach 1979, s.S.237.
24 A.a.O., S.242.
25 Rudolf Steiner: Die Konstitution der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft (GA 260a), Vortrag vom 20.Januar 1924, Dornach 1987, S.108f.
26 Rudolf Steiner: Anthroposophische Leitsätze (GA 26), „Im Anbruch des Michael-Zeitalters”, Dornach 1989, S.62.
in »Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht« Nr.44/2004
Unsere Anmerkungen
a] vgl. Mbl.7
b] Den populäre Film «Matrix» gibt eine Vorstellung davon.
c] siehe zB. auch die Filme «2001: A Space Odyssey», «A.I.» und «I, Robot» - Der Münchner Informatik-Professor Broy meint dazu in »Spektrum der Wissenschaft« 3/2016; S.18f: „Auch Programme der künstlichen Intelligenz werden Zeile für Zeile programmiert, selbst wenn in diesem Zusammenhang Techniken eingesetzt werden, die tatsächlich als »lernende Systeme« bezeichnet werden. Doch dieses »Lernen« ist so weit entfernt vom Lernen beim Menschen wie das Fliegen von Flugzeugen vom Fliegen der Vögel. Und die künstliche Intelligenz wird immer noch von Wissenschaftlern weiterentwickelt und entwickelt sich nicht selbst weiter. [...] Die Protagonisten der digitalen Apokalypse sollten sich an wissenschaftlich gesicherte Aussagen halten. Sie verkennen, dass, auch wenn Computer inzwischen besser Schach spielen als Schachweltmeister, es sich bei den Rechnern um Fachidioten handelt - oder als was würden wir einen Menschen bezeichnen, der brillant Schach spielt, aber sonst zu nichts weiter fähig ist? Auch die Behauptung, dass »heute Algorithmen wissen, was wir tun, was wir denken und wie wir uns fühlen«, ist schlicht und ergreifend falsch. Algorithmen »wissen« schon einmal gar nichts. Sie können höchstens Daten über uns verarbeiten. Wie stark diese Daten tatsächlich unsere Taten, unser Denken und unsere Empfindungen wiedergeben können, ist eine hoch komplizierte Frage.”
d] im Sinne bewusst, jedoch selbstlos und damit rein geistig eingesetzter Willenskräfte (vgl. R.Steiner zum Schreibmaschinenschreiben)
e] die auf Steiner zurückgehende Variante einer Verschwörungstheorie, die selten überprüft, oft jedoch unkritisch weiterverbreitet worden ist - zu deren Hintergründen siehe OSTERRIEDER, M.: «Welt im Umbruch»
f] Allerdings basteln weit mehr Menschen bewusst am Internet, die lediglich glauben, damit dem Menschheitsfortschritt zu dienen; oft geht es auch nur um den notwendigen Broterwerb (vgl. MblB.11).
g] Das world wide web (weltweite Gewebe) macht nur einen, obschon wichtigen Teil des Internets aus, welches seinerseits aus dem USmilitärischen Arpanet (Advanced Research Projects Agency Network) hervorgegangen ist.
h] Die QABALAH ist keine „okkulte Lehre”, sondern eine Betrachtungs- und Handlungsweise, auch ein Schulungsweg, wie etwa die Alchimie, innerhalb derer es verschiedene Richtungen gibt. Nicht erst nach der QABALAH, welche im XII.Jahrhundert auftaucht, entsprechen den 22 hebräischen Buchstaben bestimmte Zahlenwerte, vielmehr arbeitet sie mit den von Anfang an gegebenen Zahlenwertzuordnungen unter strenger Anwendung bestimmter Regeln (Gematria), wie das auch einige Sufi-Richtungen mit den hocharabischen Buchstaben tun. Die Grundideen dazu gehen auf die Zeit vor Pythagoras zurück. - vgl. SCHOLEM, G.: «Die jüdische Mystik»
i] Das ergibt sich keineswegs - Steiner hatte derlei Pseudogematria auch nie angewandt (vgl. «GA 104»; S.228f) -, denn hier lautet der Zahlenwert 18 (ווו ≙ 6+6+6), womit auch die Folgerungen daraus hinfällig sind. Obendrein könnte w auch mit dem Buchstaben Weth (weiche Form von Beth) übertragen werden, worauf der Zahlenwert 6 (בבב ≙ 2+2+2) lauten würde.
k] Dazu gehört überhaupt die gesamte Technik, weil die Gegenmächte (vgl. Mbl.16) stets menschliche Bewusstseinslücken, die ja beim bequemen Umgang mit jedweder Technik leicht entstehen, für ihre Wirkungen benützen. Sie bringen das Böse so zur Erscheinung, wie es allein erscheinen kann: durch den Menschen.
l] Was immer aus einer nicht gegebenen 666 gefolgert wird, führt eben in die Irre. Grundsätzlich richtig ist freilich, dass jedes Tun, das bewusst getan werden könnte, jedoch halb- oder gar unbewusst bleibt, zu einer entsprechenden Schwächung des ICh führt, was insbesondere für jede Anwendung von Intelligenz gilt.
m] Die Abkürzungen stehen im einzelnen für
CD ... Compact Disk ~ kompakte (Silizium)Scheibe (als Datenträger)
CDROM ... Compact Disk Read Only Memory ~ Festspeicher auf CD
DVD ... Digital Versatile Disk (um ein Vielfaches kompakter als CD)
HDD ... Hard Disk Drive ~ Festplattenlaufwerk
(Die heute üblichen, wesentlich dichter gepackten Memory-Sticks kannte Prokofieff noch nicht.)
n] vgl. Mbl.13
o] vgl. Mbl.19
p] Die lexigraphische Zerstückelung von Inhalten hat etwa mit den Enzyklopädisten (d'Alembert, Diderot ua.) begonnen; sie wird heute bereits ab dem Kindergarten betrieben und verzettelt die keimende menschliche Intelligenz. Dies fordert den Menschen zu verstärkter synthetischer (zusammenstellender) und meditativer Geistesleistung heraus, was durchaus möglich und erziehbar ist.
q] vgl. Mbl.15
r] und nicht nur innerhalb dieser
s] vgl. LOWNDES, F.: «Die Belebung des Herzchakra»
Literatur
SCHUBERTH, E.: «Erziehung in einer Computergesellschaft»
SPITZER, M.: «Digitale Demenz»
WEIZENBAUM, J.: «Die Macht des Computers»
WEIZENBAUM, J.: «Kurs auf den Eisberg»
W.WEIRAUCH: »Flensburger Heft« Nr.3
W.WEIRAUCH: »Flensburger Heft« Nr.14
Anhang A: Die Datenkrake
Anhang B: Computerspiele