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Merkblatt-
Beilage 12:
Geld und ICh
Schema Arbeit-Ware-Kapital

Werden die Begriffe Ware*, Arbeit*, Kapital* nicht untereinander, sondern wie oben im Rundschema [a] vorgestellt, so kann den Bewegungen nachgespürt werden, die zwischen Kapital und Ware, Ware und Arbeit, Arbeit und Kapital vermitteln. Geldströme tragen diese Bewegungen und mit ihnen Bestrebungen und Widerstände mannigfaltiger Art. Dies eröffnet immer wieder neue Fragen, gibt immer wieder neue Ansätze.
Wie gesund ist es etwa, wenn die Arbeit oder das Kapital als Ware betrachtet wird? Laut zeitgemäßem Bewußtsein kann heute kein Mensch gekauft werden. Liegt hingegen Sinn darin, Boden zu besitzen,[b] ein Haus, eine Wohnung, ein Fahrzeug auch? Wem gehören die Produktionsmittel, wem gar das Geld?
Und ich, wie empfinde ich Geldprozesse, wie verstehe ich sie, wie werden sie mir bewußt? Setze ich Ideen in Werte um, für die ich Geld erhalte, oder betreibe ich meinen Stoffwechsel dank Zuwendungen anderer? Handle ich aus Motiven, die ich mir setze, oder aus Wünschen, die mich plagen, Trieben vielleicht? Verwende ich Geld oder werde ich von ihm bestimmt? ... Bin ich nicht Geist und über all das erhaben? - Oder will ich mich zur Schale formen, in welche Geld einfließen, damit es aus ihr wieder herausströmen mag?
Wenn ich mich bequem oder ängstlich in den Geldwirbel fallen lasse, drohen mich die darin wirksamen Gewalten mitzureißen, letztlich zu binden. - Versenke ich mich nach und nach in die Mitte des Geschehens, aus meiner Mitte, dann verbinde ich mich ihm und lerne, es mit meiner Kraft zu steuern. In solcher Weise handle ICh frei,[c] nehme so meine Verantwortung wahr.
„Was Imagination [d] in bezug auf die Ware bedeutet,” ich werde „es nur lernen, wenn das Wirtschaftsleben rein herausgestaltet ist und” wir „Menschen darauf angewiesen sind, das Wirtschaftsleben in Brüderlichkeit [e] zu verwalten. Was Inspiration [f] für die Arbeit bedeutet - daß sie Lust und Liebe zur Arbeit hervorbringt -, das wird nur dann in der Welt sein, wenn in der Tat von den Leuten, die inspiriert sind, durchdrungen wird wenigstens dasjenige, was dann im Parlament als Gleicher zum Gleichen sich gesellt, wenn wirkliche Gleichheit herrscht, das heißt, wenn jeder geltend machen kann, was in ihm ist. [...] Dann wird Gleichheit herrschen im Rechtsleben, und das Rechtsleben wird inspiriert werden müssen - [...]
Und das Kapital wird nur richtig verwertet werden können im sozialen Organismus, wenn die Intuition [g] sich erheben wird zu der Freiheit, und die Freiheit erblühen wird aus dem sich selbst entwickelnden Geistesleben. Dann wird herüberströmen aus dem Geistesleben in die Arbeit dasjenige, was herüberzuströmen hat.”[h]
Das ist die Sprache MICHAELs [i]. Sie tönt am Ende des Jahrhunderts kaum weniger ernst als an dessen Beginn. Manch eine, einer schaut sie als Wegzeichen,[k] als Warnung und Aufmunterung zugleich:
Das durch mich bewegte Geld ist realisiertes ICh
im Guten wie im Schlechten.
für die Arbeitsgruppe Geld des
Columban-Zweiges, Bregenz
Unsere Anmerkungen
a] nach R.STEINER (in «GA 296»; S.61)
b] Indem ich gebrauche und mir dadurch aneigne, besitze ich. Besitz wird meist als erworbenes Recht verstanden; Besitzen ist im Grunde jedoch ein Zur-Verfügung-Stehen, es geschieht fortwährend. „Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.”, so weist Goethe auf Prozess und innere Zusammenhänge des Besitzens.
c] vgl. Mbl.9
d] Geistesforschung durch Wahrnehmen der raumlosen Bilder (vgl. MblB.33a)
e] Im Kunstwort „Geschwisterlichkeit” finden wir heute den Menschheitsaspekt oft besser bezeichnet.
f] Geistesforschung durch Hören im Zeitlosen (vgl. MblB.33b)
g] Geistesforschung durch Eintreten in geistiges Wogen (vgl. MblB.33c)
h] R.STEINER am 11.8.1919 (in «GA 340»; S.63f)
i] im Unterschied zum Schweigen URIELs (vgl. Mbl.13)
k] vgl. R.STEINER am 5.X.1923 in «GA 229»; S.11
Literatur
STEINER, R.: «Die Kernpunkte der sozialen Frage»
BARKHOFF, W.E.: «Wir können lieben wen wir wollen»
FOX, M.: «Revolution der Arbeit»
HERRMANNSTORFER, U.: «Scheinmarktwirtschaft»
LÉVINAS, E.: «Zwischen uns»
RIFKIN, J.: «Das Ende der Arbeit»
W.WEIRAUCH: «Mehr als Geld»
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