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Merkblatt 28:
Wiedererscheinen des Christus
Mehr und mehr
nimmt das Umfeld der Erde den Christus auf -
Sohnsein lässt neue Werdekräfte ins Erdendasein strömen.
1879 brachte einen neuen Impuls in den Zeitstrom: MICHAEL wurde Zeitgeist (1).
1899 endete das Finstere Zeitalter (Kali Juga), das rund 5000 Jahre gedauert hatte.
1909 entwickelte die Menschheit die Bewusstseinsreife, den Christus im Erdenäther zu schauen.
Das sind die jüngsten Stufen zur Möglichkeit, neue Werdekräfte über einzelne Individualitäten direkt in die Menschheit einfliessen zu lassen. Dazu müssen genug Menschen bereit sein, dem Sonnenfunken Schalen zu bilden, aus denen Er in die Menschheit strahlt;(2) das geht nicht ohne Schulung. Der Christus selbst ist bereit, aus den Menschen in sie zu wirken [NT:Mt.18,20 u. 28,20].(3)
Diese Lichthoffnung wurde von staatlichem Getöse und wirtschaftlichem Streben überschattet.
Um 1919 war der Schatten über Europa zu voller Grösse gewachsen;
geistige Impulse drangen kaum noch durch den Lärm des Zusammenbruchs.
Ab 1929 verfiel Mitteleuropa den Schattenkräften (3);
die unvorbereitete Welt hatte diesem Verdunkeln nichts entgegenzusetzen.
1939 wurde mutwillig das zweite große Völkerringen und -sterben angefacht;
in den folgenden sechs Jahren verlor Mitteleuropa seinen Geistesgrund und vergiftete Europa.
Nach 1949 verfestigte sich die unzeitgemässe Zweiteilung der Menschenwelt -
Ost und West standen einander dann vierzig Jahre lang mißtrauisch-feindlich (4) gegenüber.
Heute sehen sich die Menschen vor gewaltige, schier unlösbare Aufgaben gestellt, und die einzelne Individualität ist weniger denn je in der Lage, sie zu überblicken oder gar zu lösen, obwohl die ICh-Kräfte sich bis zu wilden Egoismen gesteigert haben. Die Kräfte, die der Mensch aus sich heraus freizusetzen vermag, können kaum Hilfe bringen, bestenfalls ein Verzögern des Zerfallens.
Doch ist die erreichte Bewusstseinsreife nicht verlorengegangen; mehr denn je sind dem Menschen Impuls und Kraft des Christus zugänglich. Die dafür notwendige Schulung führt, allerdings durch immer schmerzlicheres Absterben, zum Aufleuchten des Sonnenfunkens in der Seele (Auferstehung).
Da mag das Vorbild des ersten „Christen aus sich heraus” wieder zeigen, was vor Damaskus schockartig zuteil geworden war,(5) heute aber durch strenges inneres Bemühen erlangt und dann gegeben werden kann. Im paulinischen wie auch im anthroposophischen Sinn kann der Mensch also sprechen:
Möge ich sterben,
mög' ich weichen und folgen
dem Christus in mir!(6)
Anmerkungen
1) vgl. Mbl.13
2) wie zB. in der Leuchtturm-Kanzel eine Spiegelschale um eine Lichtquelle kreist und so den rettenden Leuchtstrahl rundum in die Weite sendet
3) Der soziale Aspekt des Christentums erschöpft sich nicht in (oft ritualisierter) Nächstenliebe und Weltmission (Mt.28,19), sondern steht an zentraler Stelle in der Weltentwicklung als frei gewolltes Erlösungsgeschehen von innen (vgl. Mt.24,5+23-27; Mk.13,5-6+21; Lk.21,8). - Demgegenüber gedeiht das gezielte Missverständnis, Jesus oder der Christus werde physisch wiederkehren und den mehr oder weniger unfähig-unfreien Menschen Erlösung von aussen bringen.
4) vgl. Mbl.16 - Die Art, wie 1969 etwa Menschen den Mond betraten und die Menschheit beschworen, dabei jedoch nur ihre eigene Fahne hissten, täuscht nicht über jene tiefgreifende Zerrissenheit der zur selbstbewussten Einigkeit aufgerufenen Menschheit hinweg (vgl. F.Dürrenmatt zur Mondlandung); im selben Jahr begannen zB. die neuerlichen Unruhen in Nordirland. 1979 wiederum kehrte Ayatollah Chomeini in den Iran zurück, um Anfang April seine islamische Republik auszurufen, während im Dezember die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte. Das Jahr 1989 malte von den Feiern zum 600.Gedenktag der Schlacht auf dem Kosovo polje bis zum Zusammenbruch der Oststaaten ein düsteres Menetekel - wieder zeigte sich die Welt unvorbereitet. 1999 wurde irreführend zum letzten Jahr des XX.Jahrhunderts ausgerufen sowie zur Abwechslung unter Computer-Zivilisierten die Angst vor dem Y2000-crash geschürt. Wo aber standen wir 2009 oder gar drei Jahre danach? Und heute und hier?
5) vgl. Mbl.27
6) zur Spruchform siehe MblB.17
Literatur
siehe auch Stichwort-Register
STEINER, R.: «GA 118»
BRÜLL, D.: «Bausteine für einen sozialen Sakramentalismus»
BUBER, M.: «Ich und Du»
LÉVINAS, E.: «Zwischen uns»
OSTERRIEDER, M.: «Welt im Umbruch»