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Merkblatt 22:
Schwarz und Weiss
eine absteigende Farbenfolge:
weiss- gelb-grünlich - bläulich - violetten - rötlich - schwarz
 
Schwarz nimmt in vollkommener Eigenliebe alles Licht an sich.¹
Weiss gibt in vollkommener Nächstenliebe alles Licht von sich.¹
Zwischen diesen unbunten Polen dunkeln und hellen die Farben.²
 
Zum Schwarzen hin handelt, wer mehr für sich nehmen, als der Welt geben will.
Zum Weissen hin handelt, wer mehr der Welt geben, als für sich nehmen will.
Rein schwarz zu handeln bedarf ebenso vollkommener Schulung wie rein weiss.
Der Mensch zwischen ICh und Welt handelt farbig, verdunkelnd oder erhellend.
Jeder weisse Schulungsschritt kann in einen schwarzen verkehrt werden,
jeder schwarze jedoch auch in einen weissen (Ansatz des Mani).
 
An bestimmten Stellen seines Schulungsweges begegnet
der bewusst strebende Mensch³
dem Hüter der Schwelle⁴,
der dem staunenden⁵ ICh dessen gegenwärtige Lage zwischen Schwarz und Weiss
als unausweichliche und deshalb unerbittlich objektive Frage
immer wieder vorweist.⁶
eine aufsteigende Farbenfolge:
schwarz - rötlich - violetten - bläulich - grün-gelblich - weiss
 
Anmerkungen
1 in Egoismus Absorption / in Altruismus Reflexion - vgl. »TzN Feb.2007« u. R.STEINER am 3.XII.1906 (in «GA 283»; S.13f, aber auch N.SACHS in Der Schlafwandler)
2 Der Mensch ist nicht, er wird in einem fort - nur so lange wird ein ICh Mensch, wie es strebt - vgl. Mbl.27: Anm.3
3 vgl. MblB.E: Abs.6-7}
4 siehe dazu R.STEINER: Leben und Tod u. «Flensburger Heft Nr.45»
5 Das ϑαυμάζειν (thaumázein ~ Staunen) galt den Griechen als Eingangsgeste jeden Fragens und Forschens.
6 vgl. Mbl.13: Anm.1 u. MblB.E: Kap.VIII
Literatur
siehe auch Stichwort-Register
STEINER, R.: «GA 291»
FRIELING, H.: «Praktische Farbenlehre»
PROSKAUER, H.O.: «Zum Studium von Goethes Farbenlehre»
RUDLOFF, D.: «Freiheit und Liebe»
WELSCH, N./LIEBMANN, C.Ch.: «Farben»
ZAJONC, A.: «Die gemeinsame Geschichte von Licht und Bewußtsein»