zum IMPRESSUM
Merkblatt 15:
Gesichtspunkte zur
T r i n i t ä t
Aus seiendem Nichts¹ ballt erste Regung sich zu namenlosem Punkt (·)²;
er breitet Flügel² aus;
ihr Wellenschlag wird auf ihn zurückgeworfen.
Mit dem Anfang © 1993, 2015 by DMGG
בראשית
ברא
אלהים
Mit (B) dieser Punktbewegung (R'ESCHIT)
„ersinnen” (BaR'A)
die Schöpfergeister ('ELoHIM)
den Himmel und die Erde.³
Und die Erde war
תהו ובהו
schwellender Aufbruch und brechender Rückschwall (ToHU WaBoHU).⁴
Die Frage „Wo ist die Trinität?” ist sinnlos -
der Mensch mag fragen: „Wo geschieht Trinität?”
Wachem Horchen antwortet kosmisches Geschehen: „Allüberall!”
Dreifalt west vom Anfangspuls übers Dehnen aus Zeit bis zur Starre im Raum.⁵
Nicht über den Hierarchien schweigt sie, vielmehr tönt sie in ihnen;
mannigfaltig wird jegliches Wesen von ihr durchwoben, keines wirkt ohne sie,
Gutes nicht, nicht Böses.
Ausstoss und Einzug⁶ wird strahlendes Ballen,
dem der Reichtum der Schöpfung entspringt
und nach und nach sich entwickelt,
arhythmisch taumelnd,
dann rhythmisch,
dann frei.
Anmerkungen
1 Dieser Zustand ruht ohne Ausdruck in tiefer Dauer (Ewigkeit); Jakob BOEHME nennt ihn den „Ungrund”, dem keine σιγή (sigé ~ Stille) entweht (vgl. Mbl.6: Anm.>< u. MblB.E: Abs. 54}f, 95} u. 130}ff).
2 Die alten Inder nannten ihn bindu, von dem prakriti ausgeht. oder tat ekam (~ dies Eine). In der zeitgenössischen Kosmologie (Urknall-Theorie) kennt man ähnliches unter dem Begriff „Singularität” (vgl. Abgrund); BOEHME wiederum nennt diese Seinsform „Urgrund” (vgl. Durga), aus dessen Stille alles Dasein entrauscht (vgl. »TzN Jän.2007« u. «Weltharmonik»; S.215f u. Aphorismus 3). Die Flügel der Weisheit (vgl. Zimzum) tragen den Urimpuls und bilden so den Urbuchstaben JOD (vgl. «Die Erzählungen der Chassidim»; S.661f).
3 Dieses Bild der Urpolarität aus Gen.1,1 (vgl. »TzN Mai 2008«) im Sinne von männlich-weiblich (auch aktiv-passiv, positiv-negativ, reichen-empfangen, stehen-liegen u.a.) findet sich in allen Überlieferungen (zB. Trimurti); bis hin zur Trennung der Geschlechter und deren Folgen klingt jene nach (siehe auch «Die jüdische Mystik»; S.241). Der Hellenismus brachte diese Dialektik unter dem Begriff der drei λόγοι (lógoi, im Zusammenhang mit der „ägyptischen” Dreiheit) ins Spiel.
4 vgl. R.STEINER am 18.VIII.1910 in «GA 122»; S.47f sowie das Wechselspiel zwischen Wischnu und Schiwa
5 vgl. Mbl.5: Anm.1
6 vgl. Mbl.14: Anm.4
Literatur
siehe auch Stichwort-Register
STEINER, R.: «Die Geheimwissenschaft im Umriß»
STEINER, R.: Vorträge in «GA 122»
STEINER, R.: Vorträge in «GA 214»
BUBER, M.: «Ich und Du»
Hildegard v.B.: «Scivias»
KEPLER, J.: «Weltharmonik»
PHILBERTH, B.: «Der Dreieine»
SCHOLEM, G.: «Die jüdische Mystik»
WEINREB, F.: «Buchstaben des Lebens»